Ein Hospiz für Waghäusel. Warum eigentlich nicht?

Die moderne Hospizbewegung und die Palliativmedizin sind jünger als ich selbst. Sie entstand zunächst in den 60er Jahren in England. Dort wurde im Jahre 1967 das St Christopher’s Hospice in Sydenham (bei London) gegründet. Von hier aus nahm die heutige Hospizbewegung ihren Anfang.

Was ist ein Hospiz?

Hospiz ist im Sinne von „Sterbehospiz“ und „Unheilbarenhaus“ eine Einrichtung der Sterbebegleitung. In Deutschland wird mit Hospiz meist eine stationäre Pflegeeinrichtung bezeichnet, die oft über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist. Das erste Hospiz in Deutschland wurde 1986 eröffnet, das erste Kinderhospiz 1998). In Deutschland gibt es inzwischen mindestens 234 stationäre Hospize und 304 Palliativstationen in Krankenhäusern sowie über 1500 ambulante Hospizdienste (Stand: April 2016).

head-2713349_960_720

Bei einem Hospiz handelt es sich um eine Institution, die ein Konzept der Sterbe- und Trauerbegleitung verfolgt.

Welche Bedeutung haben Hospize für das Leben?

Hospize wollen das Sterben wieder in das Leben integrieren, dabei steht die Orientierung an den Bedürfnissen der erkrankten Personen und ihrer Angehörigen im Vordergrund. „Palliative Care“ (Sorge um Schmerzfreiheit und Lebensqualität) geht vor  „Medical Cure“ (auf Heilung gerichtete Behandlung), kurz heißt das: Lebensqualität statt Lebensquantität. Das führt in manchen Fällen dazu, dass auf bestimmte Handlungen vollständig verzichtet wird, die in Einrichtungen mit kurativer Zielsetzung notfalls auch gegen den Willen des Patienten durchgeführt würden. Gleichzeitig soll ein Stück Normalität vermittelt werden, was im Krankenhaus oder zu Hause (durch Überforderung der pflegenden Angehörigen) oft nicht mehr gegeben ist.

Laut Umfragen möchten etwa 90 Prozent aller Menschen zu Hause sterben. Tatsächlich sterben nach Schätzungen jedoch etwa 50 Prozent der Menschen im Krankenhaus und weitere 20 Prozent im Pflegeheim. Hospize wollen dabei eine menschenwürdige Alternative sein, wenn eine Krankenhausbehandlung nicht mehr gewollt wird oder aus medizinischer Sicht nicht erforderlich ist (und deshalb von den Krankenkassen auch nicht mehr bezahlt wird), ein Pflegeheim aber aufgrund unzureichender medizinischer und pflegerischer Versorgungsmöglichkeiten bei schwerer Erkrankung nicht in Frage kommt.

Warum gibt es bisher so wenige Hospize in Deutschland?

Wie so oft, letztendlich geht es ums Geld. Bis 2009 zahlten Hospizpatienten einen Eigenanteil von durchschnittlich sieben Prozent zu. Seit 2009 übernahmen die Krankenkassen 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten, von dem je nach Pflegestufe ein Teil zu Lasten der Pflegeversicherung ging. Zehn Prozent des Pflegesatzes mussten stationäre Hospize selbst (!) aufbringen. Die gesetzlich verankerten zehn Prozent Eigenanteil der stationären Hospize wurden regelmäßig als unrealistisch bewertet. Tatsächlich würden Hospize teils 30 Prozent der Kosten tragen, was in den wenig erfolgreichen Verhandlungen mit den Krankenkassen um die tagesbezogenen Bedarfssätze begründet ist. 2015 wurde daher das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) erlassen (BGBl. I S. 2114). Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Krankenversicherung nun 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten stationärer Hospize trägt; außerdem erhalten bisher unterdurchschnittlich finanzierte Hospize für jeden dort aufgenommenen Versicherten einen höheren Tagespflegesatz (von derzeit rund 198 Euro auf rund 261 Euro ab 2016). Dadurch verringert sich der Kostenanteil, den das jeweilige Hospiz selbst tragen muss, auf fünf Prozent. Dieser wird weiterhin überwiegend durch Spenden eingeworben, aber auch durch ehrenamtliche Arbeit aufgefangen. Die auch sonst im häuslichen Bereich übliche Selbstbeteiligung an Arznei- und Hilfsmittelkosten müssen die Patienten jedoch selbst tragen, wenn sie nicht von den Zuzahlungen befreit sind.

2017_09_12_BNN-DIF-Hospiz

Hospize müssen rund fünf Prozent der Kosten selbst tragen. Spenden sind ein wichtiges Fundament.

Welche bauliche Mindestanforderungen bestehen an den Bau eines Hospiz?

  • Wohnbereich: 240 qm insgesamt – 30 qm pro Platz (ggf. inkl. Balkon)
    • 8 Einzelzimmer mit Badezimmer (WC und Dusche); Übernachtung von Zugehörigen sollte auch im selben Zimmer möglich sein.
    • Ggf. Gästezimmer für Zugehörige mit Badezimmer (in angemessener Anzahl)
  • Gemeinschaftsbereich: 80 qm insgesamt
    • Essraum/Essbereich
    • Gemeinschaftsraum/Gemeinschaftsbereich
    • Raum der Stille
  • Funktionsbereich: 250 qm insgesamt
    • Pflegebad
    • Küche
    • Dienstzimmer
    • Lagerräume für Lebensmittel, Hilfsmittel, Wäsche, etc.
    • Besprechungsraum
    • Arbeitsräume (Rein/Unrein) für Pflege und Hauswirtschaft
    • Büroräume
    • Umkleidezimmer für Mitarbeiter (Dusche und WC)
    • Mitarbeiterraum
    • Behindertengerechtes WC/Besucher WC
    • Technikräume
  • Verkehrsfläche: 180 qm insgesamt
    • z.B. Flure, Treppen, Aufzüge

Mein Fazit:

2017_08_LieblWir reden also über rund 1.000 qm Fläche und damit über rund 3 Millionen Euro an Investitionssumme. Dazu kommt die Finanzierungslücke von mindestes fünf (… oder mehr …) Prozent der laufenden Kosten, also rund 50 bis 100 Tausend Euro pro Jahr bei einer Kapazität von acht Betten.

Träger, die diese baulichen Anforderungen realisieren und das Betriebskostendefizit tragen, sind zumeist gemeinnützige Vereine, aber auch Kirchen, gemeinnützige Organisationen und Stiftungen, wie z.B. die Caritas, die Diakonie, die AWO, Dietmar Hopp Stiftung GmbH, usw …

Mit Hilfe eines städtischen Zuschusses (.. Bauplatz … u.a. …) und mit Hilfe von viel Ehrenamt könnte auch in Waghäusel schon jetzt die Weichen für ein eigenes Hospiz gestellt werden. Ich träume davon ausreichend Mitstreiter für die nach meiner Meinung sehr wichtige Einrichtung in Waghäusel finden zu können.

Roland Liebl, im Oktober 2017

Advertisements
Veröffentlicht unter Gemeinderat, Kirche | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Bestellung zum ehrenamtlichen Gutachter des Gutachterausschusses der Großen Kreisstadt Waghäusel

2017_03_15_Uklein

Es ist mir eine Ehre, mein Fachwissen zum Wohle der Bürger einbringen zu dürfen. Für den Zeitraum vom 01. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2020 werde ich als ehrenamtlicher Gutachter des Gutachterausschusses der Großen Kreisstadt Waghäusel viel zu tun haben. Ich freue mich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe.

Was ist der Gutachterausschuss?

Die Institution „Gutachterausschuss für Grundstückswerte“ wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1960 mit dem damaligen Bundesbaugesetz geschaffen. Ziel ist es, durch ein unabhängiges Gremium von Immobiliensachverständigen für Transparenz auf dem Grundstücksmarkt zu sorgen. Dazu erhalten die Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse Kopien aller in ihrem Zuständigkeitsbereich abgeschlossenen Immobilienkaufverträge von den Notaren übersandt. Die wertrelevanten Daten aus den Kaufverträgen werden von den Gutachterausschüssen in aggregierter Form in der Kaufpreissammlung geführt. Die Daten werden unter mathematisch-statistischen Gesichtspunkten bei Wahrung des Datenschutzes analysiert und in zusammengefasster Form publiziert. Sie sind Grundlage von Verkehrswertgutachten privater Sachverständiger oder Beleihungswertgutachten der Banken.

Der Gutachterausschuss erstellt auch selbst Gutachten über den Verkehrswert bebauter und unbebauter Grundstücke sowie der Rechten an Grundstücken (Immobilien). Gesetzliche Grundlage ist der § 192 BauGB. Die Aufgaben der Gutachterausschüsse sind in den §§ 193 ff. BauGB geregelt.

Was sind die Hauptaufgaben des Gutachterausschusses der Stadt Waghäusel?

  • Führung der Kaufpreissammlung der Stadt Waghäusel.
  • Jährliche Ermittlung der Bodenrichtwerte.
  • Erstellung von Wertgutachten für bebaute und unbebaute Grundstücke.
  • Ausgabe von Bodenrichtwertbescheinigungen.
Veröffentlicht unter Gemeinderat, Zur Person | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

BUND Bruhrain wirbt in Waghäusel für Aktion „Miese Radwege“

2016_08_12_Miese-Radwege

Bringen Sie sich ein. Melden Sie kritische Punkte wie Loch, Riss, Hubbel, verwirrende Kennzeichung, Weg ins Nichts. Bitte einfach das Bild anklicken und eintragen. Der nächste Termin zu einer kleinen Infotour findet am Freitag, den 2. September um 19:00 Uhr statt. Treffpunkt ist beim Spielplatz Großallmendweg (Helmut-Kohl-Str.) in Kirrlach (Bild: Liebl)

„Gesucht: Miese Radwege“: Diesen Aufruf startete der BUND Bruhrain. Radfahrer können per Mausklick ihre Kritikpunkte per Online-Mitmachkarte kundtun. Sinn der jetzt voll anlaufenden Aktion ist, einerseits bevorzugt innerörtlich infrastrukturell bessere Verhältnisse für Radfahrer zu befördern, zum anderen aber grundsätzlich Autofahrer zu bewegen, wann immer möglich auf den Drahtesel umzusatteln.

Gerade bei kurzen Wegestrecken ließe sich viel CO2, aber auch Zeit sparen, so der BUND. Aber marode oder gefährliche Radwege würden viele vom Umstieg abhalten. Es sei Zeit, dies zu ändern. Mängel erkennt Vorsitzender Werner Heißler auch in Waghäusel etwa bei kombinierten Rad- und Fußwegen. Das gehe überhaupt nicht, betont er. Prinzipiell müsste man in die Köpfe bringen, dass es sich bei Rad- und Autofahrern um gleichrangige Verkehrsteilnehmer handle. Vorrangig aber gelte das Augenmerk jetzt den großen Defiziten bei Fahrradparkplätzen. Damit wolle man nun auf Handel und Gewerbetreibende zugehen. Teils gestalte sich die Lage da zwar schon sehr gut, aber im Ganzen gebe es Potenziale, diese deutlich zu verbessern. Betroffen sind ebenso öffentliche Radparkplätze, wie Heißler am Beispiel eines Bodenradständers am Bahnhof Waghäusel demonstriert. Dort versucht gerade ein Mann, seinen Drahtesel standfest unterzubringen, was nicht so recht gelingen will. „Der taugt wirklich nichts. Man muss befürchten, dass der Vorderreifen abknickt, und das Rad sicher per Schloss am Rahmen zu verankern, geht sowieso nicht“, kritisiert der Mann.

Ich war bei einer Vortour am Dienstag, den 2. September in Waghäusel dabei und begrüße die aktuelle Mitmachaktion des BUND als wichtige Vorbereitung für das angestrebte Ziel von Waghäusel. Schließlich wollen wir „Fahrradfreundliche Kommune“ werden:

„Mit Schreiben vom 27.07.2016 wurde Waghäusel offiziell die Mitgliedschaft im AGFK (Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen) durch den Vorsitzenden Bürgermeister Obert aus Karlsruhe bestätigt. Oberbürgermeister Heiler sieht die Stadt durch diesen ersten Schritt auf gutem Weg, am Ende ein zukunftsorientiertes und nachhaltiges Radkonzept zu entwickeln.

Der Umwelt- und Verkehrsausschuss der Stadt hatte im Hinblick auf das geplante Radkonzept beschlossen, die Mitgliedschaft zu beantragen und die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune“ anzustreben.

In der AGFK haben sich mittlerweile 58 Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg unter dem Dach der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Dabei steht der Wissenstransfer im Vordergrund.

Nachdem die erste Maßnahme nun abgeschlossen ist, gilt es gemäß dem Beschluss, ein geeignetes Fachplanungsbüro zu beauftragen, das den Prozess des Radkonzeptes fachkundig begleitet. Dabei werden dann die Bürgerschaft und die Interessengruppen mit einbezogen, um ein Konzept mit breitem Konsens zu erarbeiten. Andere Aktionen außerhalb der vom Umwelt- und Verkehrsausschuss festgelegten Marschrichtung sind derzeit kontraproduktiv, weil eine Prüfung von Vorschlägen in fachlicher und rechtlicher Hinsicht nur mit der entsprechenden planerischen Begleitung erfolgen kann. „

Bringen Sie sich ein. Melden Sie kritische Punkte wie Loch, Riss, Hubbel, verwirrende Kennzeichungen, Wege ins Nichts, usw.

Weitere Infos dazu:

Veröffentlicht unter Gemeinderat | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Waghäusel ist in diesem Sommer bisher wärmster Ort Deutschlands

2016_08_06_Rekord

Waghäusel ist in diesem Sommer bislang der wärmste Ort Deutschlands. Das hat der Deutsche Wetterdienst in einer ersten Bilanz mitgeteilt. Die Temperaturen erreichten in der Stadt durchschnittlich 19,6 Grad. Bundesweit lag der Durchschnitt bei 17,3 Grad (Quelle: http://www.swr.de am 07. August 2016)

Veröffentlicht unter Wetter | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Heimatverein beim Festumzug des Musikvereins

2016_07_17_DSC_0552

Mit der Festumzugsteilnahme am Sonntag, den 17. Juli 2016 wurde die Verbundenheit des Heimatvereins zum Kirrlacher Musikverein, sowie zum Waghäuseler Vereinsleben zum Ausdruck gebracht (Bild: Hoffmann)

Beim Festumzug des Musikvereins Kirrlach am Sonntagnachmittag nahmen neben Motivgruppen der örtlichen Vereine insgesamt 10 Musikkapellen teil (MV Kirrlach, Musikfreunde Reilingen, MV Kronau, MV Liedolsheim, MV Neuthardt, MV Münzesheim, MV Wiesental, MV Oberhausen, Trachtenkapelle Flattach, Schalmeienkapelle des Radfahrervereins Kirrlach).

DSC00265

Veröffentlicht unter Heimatverein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Kostenloses WLAN in Waghäusel kommt

wlan-1425406_960_720Waghäusel ist eine familienfreundliche Stadt. Für viele Menschen aller Altersschichten ist der Zugang zum Internet unabhängig von Zeit und Ort bereits Selbstverständlichkeit. Auf diese Weise kann man sich jederzeit informieren oder über digitale Medien mit anderen Menschen austauschen. Ein in die Fläche gehendes Angebot für einen mobilen Netzzugang steigert die Attraktivität nicht nur bei seinen Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch bei Besucherinnen und Besuchern unserer Stadt.

Viele Städte bedienen sich hierfür sogenannter Hotspots kommerzieller Anbieter. Für Waghäusel sind drei beantragt, einer bei der Eremitage, einer im Zentrum von Wiesental und einer im Zentrum von Kirrlach. Den Vorstoß der CDU-Fraktion unterstütze ich.

Ein Angebot in der Breite ist aber auf diese Weise üblicherweise mit hohen Investitionen und laufenden Kosten für die Stadt verbunden. Eine kostenlose Alternative war beim Jubiläum des Musikvereins Kirrlach vor wenigen Tagen verfügbar: Im Festzelt war das gesamte Festwochenende Freifunk, d.h. kostenloses Internet für alle, verfügbar.

Freifunk-­Netze werden von Menschen in Eigenregie aufgebaut und gewartet. Jeder Freifunker stellt einen WLAN-Router, auf dem eine spezielle Freifunk-­Firmware aufgespielt wird, für den Datentransfer der anderen Teilnehmer zur Verfügung. Im Gegenzug kann er oder sie ebenfalls Daten, wie zum Beispiel Text, Musik und Filme über das Freifunk-­‐Netz übertragen oder über von Teilnehmern eingerichtete Dienste im Netz Chatten, Telefonieren und gemeinsam Onlinespiele spielen. Viele Freifunker stellen zudem ihren Internetzugang zur Verfügung und ermöglichen anderen den Zugang zum Internet. Die Nutzung von Freifunk steht jedem Menschen frei, erfordert keine Registrierung und der Zugang ist in der Regel weder zeitlich noch technisch begrenzt. Deswegen halte ich diesen Ansatz über Freifunk für außerordentlich interessant. Im Gemeinderat werbe ich dafür, denn die Stadt hat viele Immobilien an gut geeigneten Plätzen. 

Veröffentlicht unter Gemeinderat | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

In diesem Jahr gibt es die bisher meisten Tropennächte in Waghäusel-Kirrlach

In diesen Tagen kann man regional kaum durchlüften, denn nachts kühlt die Luft teilweise nicht unter die 20-Grad-Marke ab.

Am heutigen Montagmorgen war der wohl angenehmste Ort Deutschlands am Rande Berlins zu finden: Am Kaniswall wurden erfrischende 11,9°C gemessen. Ansonsten konnte die Luft kaum abkühlen, denn die viele Feuchtigkeit ließ die Strahlung nicht in den Weltraum entweichen und auch die dichten Wolken verhinderten ein Absinken auf schlaffreundliche Tiefstwerte. Tropisch war die vergangene Nacht in Frankfurt am Main-Westend mit 20,6°C und in Waghäusel-Kirrlach am Oberrhein zwischen Karlsruhe und Mannheim mit 20,3°C.

Eine Tropennacht ist laut Definition eine Nacht, in der die Luft nicht unter 20,0°C abkühlt. Im langjährigen Durchschnitt ist das vor allem entlang des Rheins der Fall, wie die gelben Flächen in unserer Abbildung auf der linken Seite zeigen. Zu sehen ist die durchschnittliche Anzahl von Tropennächten im Klimazeitraum 1961 – 1990. Während in den allermeisten Regionen Deutschlands das vieljährige Mittel für tropische Nächte nur im Zehntelbereich (0 bis 0,1) liegt, sind es am Oberrhein deutlich mehr. Spitzenreiter ist Heidelberg mit 3,3 Tropennächten. Leider wurde diese Station vom Deutschen Wetterdienst im September 2012 geschlossen, so dass es für 2016 keine Vergleichswerte gibt. Wie klimatisch begünstigt diese Station lag, zeigt der Vergleich mit dem benachbarten Mannheim: Dort liegt das Mittel für Tropennächte deutlich niedriger bei 0,7. Besonders anfällig für tropische Nächte ist aber auch das Ruhrgebiet mit seiner dichten städtischen Bebauung. Der Ballungsraum mit seinen vielen Gebäuden und relativ wenigen Grünflächen sorgt dafür, dass die Wärmestrahlung in den Nächten nicht ungehindert entweichen kann, sondern dass sie wiederholt zwischen den Gebäuden reflektiert wird und somit gefangen ist. Beispielhaft für eine solche Station ist die Stadt Duisburg, wo im Schnitt pro Jahr 2,1 Tropennächte auftreten. Häufiger mal Tropennächte erlebt man auch in Bad Bergzabern in der Südpfalz. Dort ist es aber nicht die Bebauung, die förderlich für laue Sommernächte ist, sondern die besondere geografische Lage. Am Osthang des Pfälzer Waldes gelegen, sorgen seichte Südwest- oder Westwinde in einigen Nächten dafür, dass sich die Luft an der Ostabdachung des Mittelgebirges erwärmen kann und so die Luft nicht unter 20°C abkühlen kann.

Und 2016? In diesem Jahr gibt es die bisher meisten Tropennächte in Waghäusel-Kirrlach (24. Juni: 20,9°C; 24. Juli: 20,0°C und 25. Juli: 20,3°C). Bad Bergzabern und Frankfurt am Main-Westend folgen mit jeweils zwei Nächten. Doch das ist wenig im Vergleich zu den Jahren mit sehr heißen Sommern wie 2003 oder 2015. Im Jahr 2003 wurden in Kehl bei Straßburg 21 Tropennächte registriert. Der Sommer 2015 schaffte an den Stationen Waghäusel-Kirrlach und Bad Bergzabern 13 Tropennächte und in Frankfurt am Main-Westend fiel in beiden Sommern an 12 Nächten die Minimumtemperatur nicht unter 20°C.
Viel Luft nach oben also noch und kein Wunder bisher … wird uns der Sommer 2016 doch wohl als sehr regenreicher Sommer in Erinnerung bleiben.

25. Juli 2016
Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion

2016_07_21_Hitzerekord

Auch bei den Tagestemperaturen sind wir Spitze. Am vergangenen Mittwoch, den 20. Juli 2016 waren wir zumindest landesweit mit 36,2 Grad Spitzenreiter (Quelle: SWR Landesschau am 21. Juli 2016)

Veröffentlicht unter Wetter | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen