Nachgehakt: Wagbachverlegung, alter Kindergarten, Wasserfledermäuse. Wie ist der aktuelle Stand?

Mein Vertrauen in das zuständige Planungsbüro ist auch heute, d.h. im Oktober 2014, noch immer zu tiefst erschüttert. Dies hat

  1. mit (falschen) Aussagen des Planers zum historischen Wagbachverlauf zu tun,
  2. mit (verheimlichten) Infos zu Fledermäusen,
  3. mit der (Un-)Verkäuflichkeit von Gewerbegrundstücken,
  4. mit (hohem) Grundwasser,
  5. mit einem (nicht mehr benötigten) Sondergebiet für kirchliche, kulturelle und soziale Zwecke im Bebauungsplan,
  6. aber vor allem mit den (nicht ermittelten) Gesamtkosten für die Wagbachverlegung.

Nehmen Sie bitte direkt mit mir Kontakt auf, wenn Sie an weiteren Details interessiert sind.

2013_11_20_BNN

BNN vom 20. November 2013

Zur Erinnerung und als Vorabinfo einige Stichworte:

  • Laut Protokoll der öffentlichen Gemeinderatssitzung führt Herr Bresch, Geschäftsführer der Bruchsaler bhm-Planungsgesellschaft, zum Thema „Änderungsantrag zur Wagbachoffenlegung“  aus (Quelle: Seite 9 der öffentlichen Niederschrift des Gemeinderats Nr. 11/2013 vom 18.11.2013): „Er (Anm. Herr Bresch) verweist darauf, dass der verdolte Bachlauf quer durch das ‚Gewerbegebiet Eremitage‘ nicht dem ursprünglichen Verlauf des Wagbachs entspricht, sondern den Wünschen der Südzucker AG geschuldet ist“. Diese Aussage ist nicht haltbar, wie die folgenden historischen Bilder belegen:
1843_Situationsplan-der-Zuckerfabrik

Lageplan 1843 – Der Wagbachverlauf ist in blau dargestellt und entspricht exakt dem heutigen Verlauf. Der Verlauf des Wagbachs wurde weder bei der Ansiedlung der Zuckerfabrik 1837, noch danach geändert.

1895_Zuckerfabrik

Zuckerfabrik 1895 – Der Wagbachverlauf ist in blau dargestellt, die Gebäudenummern sind in rot gekennzeichnet. Eine Verlegung war nie angedacht, weil das Gelände beidseits zum Bach ein Gefälle hat. Im Süden erfolgte die Verdolung infolge der Gleisanlagen, die über den Bachlauf führten. Im Westen erfolgte die Verdolung im Zuge der Produktions-Erweiterung der Fabrik im Jahre 1969/70.

um_1930_Zuckerfabrik

Zuckerfabrik um 1930 – Der Wagbach verläuft genau wie 100 Jahre zuvor und wie noch heute (2014) unverändert an der gleichen Stelle.

Im Protokoll nicht festgehalten, aber in der zugehörigen Anlage aufgelistet, ist eine wesentliche Info, die im Gemeinderat vom Planungsbüro bisher nicht weiter thematisiert wurde:

2014_WF_3

Die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) hat ihre Wochenstube und das Winterquartier im verdolten Wagbach.

2014_10_Wochenstube

Ein Cluster von Wasserfledermäusen hängt an der Betondecke im Wagbachkanal

  • Im verdolten Wagbach gibt es zwei größere Ansiedlungen von Wasserfledermäusen. Als Winterquartiere dienen für diese Fledermäuse vor allem großräumige Höhlen und Stollen mit einer hohen Luftfeuchte und Temperaturen bevorzugt zwischen 4-8 °C. Eine Trockenlegung des Wagbachs an dieser Stelle könnte den Erhalt der streng geschützten Art gefährden. Außerdem gelten Wasserfledermäuse  als ausgesprochen quartiertreu, d.h. eine Umsiedlung dürfte nicht einfach werden.  Es steht deshalb für mich außer Zweifel, dass ein schneller Rückbau oder eine rasche Trockenlegung des verdolten Wagbachs aus Gründen des Artenschutzes so gut wie ausgeschlossen ist. Ich vermute sogar, dass eine Wasserführung im zu erhaltenden Abschnitt der Wagbachverdolung (nach der Verlegung des Bachlaufs) erhalten bleiben muss, damit das Quartier seine Funktion weiterhin  erfüllen kann. Das hat dann sehr wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Vermarktbarkeit der Grundstücke und die geplanten Einnahmen.
2014_10_Wochenstube

2013 – Der bestehende verdolte Wagbach ist eine Wochenstube für Fledermäuse.

  • Der in diesem Zusammenhang zu beseitigende Wagbachsturz (rote Markierung im Bild oben; Start bei der Straßenquerung der L555 beim Windsor-Kreisel; Länge: ca. 200 Meter) liegt auf der Gemarkung der Nachbargemeinde. Warum soll Waghäusel dafür die Kosten übernehmen? Das kann nach meiner Meinung nicht unsere Aufgabe sein.
  • Desweiteren wurde Vorteile bei der Vermarktung der Grundstücke angeführt, wenn diese nicht durch den Wagbach „zerstückelt“ sind. Als Paradebeispiel für die Nichtvermarktbarkeit diente z.B. das quadratische Grundstück (… gelbes Kreuz auf dem Bild oben …) mit einer Größe von ca. 100 auf 100 Metern und knapp 140 m verdoltem Wagbach mitten durch das Gelände. Genau dieses Grundstück ist nun seit wenigen Wochen verkauft und seit dem 1. Oktober 2014 auch vollständig bebaut! Der Wagbach spielte bei der Preisfindung keine Rolle!
  • Und hier gibt es eine Skizze zum Sondergebiet:

    2013_08_23_Sondernutzung

    Der rot markierte Bereich des Bebauungsplans hat eine Sondernutzung für kirchliche, soziale und kulturelle Zwecke. Die von der Stadt inzwischen ausgesprochene Kündigung an die bisherigen Nutzer (Musikantenkreis, KJG) unterwandert damit die eindeutigen Bestimmungen des rechtsgültigen Bebauungsplanes.

Bleibt noch das Thema der Gesamtkosten: Es war einmal … eine Schätzung mit ca. 700.000 € … heute sind wir schon bei 2 Millionen € … aber nur für eine Teilstrecke … und unter der Annahme, dass viel … sehr viel verkaufsfähige Gewerbefläche auf der alten Wagbachtrasse entsteht …

Zur Abgrenzung: Mir geht es nicht darum, dass ich Gemeinderatsbeschlüsse nicht mittragen will. Ich wehre mich aber gegen unvollständige Informationen oder manipulierte ZDF (Zahlen, Daten und Fakten):

  1. Warum macht das Planungsbüro Bresch zum historischen Wagbachverlauf im Gewerbegebiet Eremitage falsche Aussagen? Was will Herr Bresch damit bezwecken?
  2. Warum wird der Gemeinderat nicht offensiv über das Thema der Fledermäuse informiert? Welche Risiken bestehen für das Gesamtprojekt auf der verdolten Wagbachstrecke durch diese Entdeckung? Kann der verdolte Wagbach überhaupt noch beseitigt werden? Wieviel Teilstrecke muss eventuell verdolt bleiben? Muss fließendes Wasser weiterhin vorhanden sein? Wenn, wieviel und woher?
  3. Wenn für das größte angeblich unverkäufliche Grundstück schon ein Käufer gefunden wurde, warum soll es für die verbleibenden wesentlich kleineren verbliebenen Teilstücke nicht auch eine sinnvolle Vermarktung geben, ggf. mit einem kleinen Preisnachlass?
  4. Warum machen viele Verantwortliche beim Grundwasseraustritt bei der Unterführung zum Bruch die Augen zu? Die Wasserwerke von Oberhausen-Rheinhausen und Waghäusel können ein Lied davon singen, wie oft besorgte Bürger in den letzten Jahrzehnten dort angerufen haben und beschädigte Trinkwasserleitungen meldeten. Die Stelle liegt an der Gemarkungsgrenze zwischen beiden Gemeinden und ein Gutachter bestreitet, dass es dort regelmäßig Grundwasser gibt. Jeder Wanderer oder Hundeausführer kennt die feuchten Stellen. Warum sieht dies sonst niemand? Das ist doch keine Fata Morgana, sondern echtes Grundwasser!
  5. Zum Bebauungsplan: Jeder Hausbesitzer muss sich an bestehende Bebauungspläne halten. Gilt dies für die Stadt Waghäusel als Bauherr des Wagbachs nicht? Wenn nicht, warum hat die Stadt Sonderrechte? Was ist mit den 600 gesammelten Unterschriften? Kann und darf man diese einfach ignorieren?
  6. Beim Thema Geld könnte man meinen, es gibt einen Goldesel für das Gewerbegebiet Eremitage. Das Gegenteil ist der Fall. Die Förderung läuft in wenigen Monaten aus. Danach bleiben alle Kosten an der Stadt hängen, davor können noch bis zu 60 % erstattet werden.
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