Ein Streit ist entbrannt um die hässlichen Silos

An dieser Stelle möchte ich auf einen Beitrag von Alfred Müller aus Kirrlach verweisen. Er entstand am Rande eine Bilderausstellung der Knipser im Taglöhnerhaus in Kirrlach am Kerwe-Sonntag im Oktober 2014:

2014_10_Knipser-Silovorschlag

Sollte keine Einigung über einen Abriss erreicht werden, so schlage ich einen Kompromiss vor, der zumindest rein optisch, die störenden Gegensätze unterdrückt und zusätzlich z. B. eine Freilichthalle, ein maximal zweigeschossiges Hotel oder einen Saal, oder Vereinsräume, Übungsräume, Tagungsräume, eine Turnhalle oder Sonstiges bieten könnte.

Alfred Müller: „Es gibt meines Erachtens keinen ernst zu nehmenden Grund diese dauerhaft stehen zu lassen. Eine totale Demontage wäre optimal zur Erweiterung des Parkgeländes, wobei das Erdgeschoss mit seinen mächtigen Fundamenten etwa durch Begrünung zur sinnvollen Nutzung erhalten werden könnte.
Wir sollten uns klar machen, dass die Eremitage von den bedeutendsten Architekten des 18ten Jahrhunderts entworfen wurde und somit ein Kulturdenkmal ersten Ranges darstellt.
Zu nenne sind hier Johann Michael Ludwig Rohrer, der im Dienste von Ludwig Wilhelm von Baden, genannt „Türkenlouis“ in Rastatt etliche Meisterwerke geschaffen hat und schließlich im Auftrag der Markgräfin Sibylle Auguste 1710/11 das  Schloss Favorite erbaute. Schließlich folgte Rohrer dem Ruf des Fürstbischofs von Speyer, Damian Hugo von Schönborn, um in Bruchsal die Schlossanlage zu bauen. Fast gleichzeitig folgte die Planung und Ausführung der Eremitage von Waghäusel und Schloss Kisslau (1724) in der ursprünglichen Form.
Kein geringerer als Balthasar Neumann hatte dann 1747 die Erweiterung der Anlage im Auftrag derer von Schönborn übernommen. Dies ist, von Kleinigkeiten abgesehen, das heute noch anzutreffende Erscheinungsbild. Neumann kann mit Fug und Recht als der bedeutendste Architekt des Spätbarocken Zeitalters, zumindest nördlich der Alpen, angesehen werden. Etwa zeitgleich mit der Erbauung des Bruchsaler Schlosses, erschuf er eines seiner Hauptwerke, die Residenz des Fürstbischofs zu Würzburg.
Balthasar Neumann war ein Revolutionär bezüglich der Baukunst seiner Zeit, was leicht zu beweisen ist angesichts beispielsweise des Treppenhauses im Bruchsaler Schloss, der Peterskirche Bruchsal und über 100 namhafte Meisterwerke barocker Baukunst. Als kühn und außergewöhnlich muss die mächtige Treppenanlage und das ebenso mächtige „flachrunde“, weitüberspannende Deckengewölbe der Residenz Würzburg angesehen werden, dessen Standfestigkeit schon während der Bauzeit von Fachleuten in Zweifel gezogen wurde, aber heute noch unbeschadet besteht und selbst dem einstürzenden Dachstuhl nach der Bombardierung von 1945 widerstanden hat. Nur ein sprichwörtlich leuchtendes Beispiel seiner Genialität ist die nach seinen Plänen errichtete lichtdurchflutete Basilika Vierzehnheiligen bei Staffelstein.
Wir sollten stolz sein auf unsere Eremitage. In der Vergangenheit wurde die architektonische Bedeutung unterschätzt. Inzwischen wurde viel Geld in die Erhaltung und Restaurierung investiert. Es lohnt sich der Anlage weiterhin Aufmerksamkeit und Wertschätzung zuzubilligen – auch wenn es Geld kostet. Kritiker müssen sich die Frage gefallen lassen was uns Kultur und Kulturgüter wert sind? Ein Volk ohne Kultur verkommt, verroht und braucht viele Polizisten.
Was wir heute sehen ist Industriegelände, und es sind zwei mächtige Silos in unmittelbarer Nachbarschaft der Eremitage. Allein deren optische Wucht erschlägt das barocke Ensemble, ein Juwel der Baukunst, regelrecht. Diese Silos sind und waren schon immer absolut fehl am Platz, ebenso wie es eine Industrienutzung im nahen Umfeld wäre.
Keine Kritik ohne Vorschlag: Sollte keine Einigung über einen Abriss erreicht werden, so schlage ich einen Kompromiss vor, der zumindest rein optisch, die störenden Gegensätze unterdrückt und zusätzlich z. B. eine Freilichthalle, ein maximal zweigeschossiges Hotel oder einen Saal, oder Vereinsräume, Übungsräume, Tagungsräume, eine Turnhalle oder Sonstiges bieten könnte. Siehe Fotos. „

bnn0000002551923

BNN vom Mittwoch, den 29. Oktober 2014


Aus der Gemeinderatssitzung vom 20. Oktober 2014

 

2014_10_Silo-dachrinne-defekt

Bauunterhalt kostet Geld. Die Bilder stammen vom Oktober 2014. Was kostet die Reparatur einer Dachrinne in einer Höhe zwischen 25 und 40 Meter? Warum soll der Steuerzahler die jährlich steigenden Unterhaltskosten übernehmen? Noch sind 60 % Kostenübernahme für einen Abriss möglich. Ende 2015 läuft die Förderung und damit eine mögliche Kostenübernahme aus. Danach trägt die Stadt, d.h. der Waghäuseler Steuerzahler, alle künftigen Kosten völlig allein: 100 Prozent für IMMER und ALLES!

Am Montag, den 20. Oktober 2014 habe ich beim TOP „Bürgerfragestunde“ der öffentlichen Gemeinderatssitzung nachgefragt: „Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Heiler, wir haben uns schon oft im Gemeinderat über das Thema Abriss der Silos unterhalten. Ist derzeit noch ein Abriss-Antrag Silos zur Abstimmung im Gremium offen?“. Antwort des Oberbürgermeisters: „Ja, ein entsprechender Antrag ist noch offen und wird in Kürze beraten und abgestimmt.“


 

 Hierzu einige CDU-Pressemeldungen:

24. Oktober 2013

Zuschrift: Aus für Waghäuseler Wahrzeichen

2013_10_11_SiloEremitage

Warum wollten die Stadt und der OB die alten unansehnlichen Silos stehen lassen? Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Einen vernünftigen Grund gibt es aber für einen Abriss, denn bei einem Abbruch der beiden Silos werden auf einmal rund 11.000 Quadratmeter Gewerbefläche auf dem Südzuckergelände nutzbar. Mit der in meinem Stadtteil Waghäusel heftig umstrittenen Wagbachverlegung werden, wie mir Fachleute überzeugend versichern, nur 6.000 Quadratmeter Gelände frei. Also: Siloabbruch statt Wagbachverlegung!

Die Wagbachverlegung kostet zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro, der Abriss der Silos nur 700.000 bis 750.000 Euro. Ich vermute, dass die Verwaltung noch nie eine Kostenschätzung eingeholt hat. Nur so kann öffentlich behauptet werden (siehe BNN), die Kosten für einen Abriss seien überhaupt nicht abzusehen. Wie schon veröffentlicht, schätzen renommierte Abbruchunternehmen die Kosten für den Siloabbruch auf 700.000 bis 750 000 Euro. Im Gespräch ist ein möglicher Zuschuss für die Maßnahme von 60 Prozent (450.000 Euro), der aber 2015 auslaufen wird. Dann müsste die Stadt für den ohnehin nicht aufzuhaltenden Abbruch den vollen Betrag selber bezahlen.

Tanja Adam


16. Oktober 2013

Kommentar zum Bericht in den BNN 16.10.2013: Aus für Waghäuseler Wahrzeichen?/ Politische Mehrheit für Abriss der beiden Südzucker-Silos / Entscheidung im Gemeinderat

2013_10_11_SiloEremitage

(Auszug) „Oberbürgermeister Walter Heiler (SPD) gab sich auf Anfrage der Rundschau „mittlerweile leidenschaftslos bei diesem Thema“. Wenn die Ratsmehrheit einen Abriss wünsche, möge es geschehen. Heiler bedauerte, dass es viele Ideen gab, aber potenzielle Investoren immer wieder abgesprungen seien. „Event-Türme“ sollten die Silos beispielsweise schon werden, etwa nach einem spektakulären Vorbild im Hamburger Hafen. „Aber Waghäusel ist halt nicht Hamburg“, so Heiler zutreffend. Oberbürgermeister Heiler warnte indes, die Kosten für einen Abriss seien derzeit überhaupt nicht abzusehen, zunächst sei eine saubere Prüfung angebracht.“

Zum Argument: Kosten für einen Abriss seien derzeit überhaupt nicht abzusehen:

Die CDU, die sich seit Jahren für den Abriss einsetzt, hat die geschätzten Kosten nicht aus der Luft gegriffen, sondern Schätzungen von Abbruchunternehmen abgefragt. Als der Schornstein und das Kantinengebäude durch Bautrans Umweltservice abgebrochen wurden, schätze Armin Zöller von der Fa. Alba die Abbruchkosten der Silos auf ca. 700 000 Euro. Er bestätigte auf heutige Rückfrage diese Aussage.

Eine weitere Schätzung wurde eingeholt, als die 60 Munitionsbunker im Muni-Depot Kirrlach von der Fa. Münzner-Bau GmbH abgebrochen wurden. Diese lag bei 750 000 Euro. Mitteilung und Bestätigung einer Fachfirma am 16. Oktober 2013: „Unsere Kostenschätzung basierte auf Angaben über die beiden Silos wie folgt: Höhe ca. 50 m, Durchmesser ca. 37 m, außen Styropordämmung, jeweils zuzüglich Treppenhausturm. Sofern diese Angaben realistisch sind, gehe ich davon aus, dass die Abbruchkosten in Höhe von netto 750.000 € auch heute noch realisierbar sind.“

Hat die Verwaltung nie eine Kostenschätzung eingeholt??

Zum Schmunzeln: 2008 äußerte sich eine SPD-Stadträtin im Mitteilungsblatt mit dem durchschlagenden Argument: „Ein Abriss der Silos ist schwierig und kostenintensiv, deshalb sollen sie erhalten bleiben.“ Wow!


16. Oktober 2013

Mehrheit für Abbruch der beiden Zuckersilos in Sicht

CDU will schnellen Abriss und Nutzung der noch möglichen Zuschüsse

2013_10_11_SiloEremitage

Im Gemeinderat von Waghäusel zeichnet sich jetzt eine Mehrheit für den Abbruch der beiden stadteigenen Silos auf dem ehemaligen Südzuckergelände ab. Im Vorfeld der Haushaltsberatungen 2014 liegen jetzt Anträge der CDU und der Freien Wähler vor, in denen der Abriss gefordert wird: nicht irgendwann, sondern in dem Zeitraum, in dem es dafür noch Zuschüsse gibt. An den beiden 50 Meter hohen Silos sind Witterungseinflüsse sichtbar, es nagt der Zahn der Zeit. Eine sinnvolle Nutzung gibt es nicht. In der Vergangenheit hatten die Verwaltung und der Gemeinderat Kaufangebote von einer Million Euro ausgeschlagen.

Bei einem Abbruch werden rund 11.000 Quadratmeter Gewerbefläche auf dem Südzuckerareal nutzbar, mehr als durch die Wagbachverlegung, so die CDU, die seit Juli die Räumung immer wieder zum Thema gemacht hat. Dann wäre die Eremitage endlich vom Schatten der Zuckersilos befreit. Den Bestand der ramponierten Altsilos stellt die CDU auch deswegen in Frage, weil bei jeder der inzwischen vier kommunalpolitischen Veranstaltungen die Forderung nach einem silofreien Waghäusel laut geworden ist. Ihren Antrag begründet die CDU damit, dass inzwischen die Großbehälter nach 25 Jahre Nutzung endgültig ausgedient haben.

Die zwei Silos sind eigentlich vier Silos: Jedes Silo mit 36 Meter Durchmesser hat innen noch ein zweites Silo mit 18 Meter Durchmesser. Das war für die Stabilität und die Dachdecke notwendig. Im Kaufvertrag, mit dem das Gelände mit Gebäuden an die Stadt überging, ist die Option enthalten, dass die Südzucker AG die Silos bis 2006 nutzen kann. Tatsächlich erfolgte die Nutzung bis 2004. Ein Silo weist noch einen Fahrstuhlschacht mit fremden Mobilfunkantennen auf.

Warum hatten die 1970 gebauten Silos ausgedient, warum wurde die Zuckerfabrik Waghäusel 1995 geschlossen? In Folge der Wiedervereinigung waren im Osten alle bestehenden Zuckerfabriken zum Verkauf angeboten worden. Die Südzucker AG erwarb 14 Zuckerfabrikstandorte, was eine Produktion in Waghäusel überflüssig machte. Abbruchunternehmen schätzten auf Anfrage die Kosten für den Siloabbruch auf 750 000 Euro. Im Gespräch ist ein möglicher Zuschuss für die Maßnahme von 60 Prozent (450.000 Euro), der aber 2015 auslaufen wird. Dann müsste die Stadt für den ohnehin nicht aufzuhaltenden Abbruch den vollen Betrag selber bezahlen.

Vor diesen Hintergründen will die CDU wissen: Welche Ausgaben fallen noch für die neue Wagbachverlegung, den geplanten Schlossgarten und für die Silos an? Welche Mittel sind im Haushalt einzustellen? Welcher Finanzrahmen ist realistisch? Will die Stadt noch die Zuschüsse nutzen?

Nach einer Mitteilung der Freien Wähler hat die Fraktion nach der jüngsten Gemeinderatssitzung ihren Antrag auf Abbruch der Silos abgegeben. Vieles spreche mittlerweile für den zeitnahen Abriss, lässt sie wissen. In diesem Fall sei von einer besseren Vermarktung des Geländes auszugehen. Ohne zwei unschöne Betonklötze komme die Eremitage besser zur Geltung.

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