Spende zur Verbesserung der Grünanlage abgelehnt: Evangelische Kirchengemeinde Waghäusel gibt Geld zurück

Im April 2014 hat der Förderverein Friedenskirche auf seiner regulären Jahreshauptversammlung einen Antrag aus der Mitgliedschaft beraten und abgestimmt. Im Ergebnis wurde eine sofortige zweckgebundene Spende von 500 Euro an die Kirchengemeinde beschlossen, sowie eine Option auf weitere 500 Euro.

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Im Begleitschreiben von mir an die Kirchengemeinde heißt es dazu: >> Bekanntlich sind viele Gründungsmitglieder unseres Vereins, die sich viele Jahre regelmäßig und ehrenamtlich um das Jäten von Unkraut gekümmert haben …, gesundheitlich und altersbedingt nicht mehr dazu in der Lage, die wiederkehrenden Gartenarbeiten zu übernehmen. Jüngere Rentner mit einem „grünen Daumen“ fehlen unserem Verein. <<

Womit keiner rechnete:

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Die Spende für die Grünanlage rund um die Friedenskirche wurde abgelehnt, weil sie zweckgebunden ist.

Hintergrund:

  • Der Förderverein Friedenskirche Waghäusel ist gemeinnützig. § 2 (Vereinszweck): „Der Verein bezweckt die Erhaltung und kirchliche Nutzung der Friedenskirche in Waghäusel. Diese ist als Sachgesamtheit ein Kulturdenkmal nach § 2 DSchG Baden-Württemberg (Az.: 34/2555.1). Sie besteht aus der Zeltkirche mit Sakristei, dem Turm, einem Gemeindehaus, dem verbindendem Laubengang und dem erhöhten Kirchplatz in 68753 Waghäusel, Bonhoefferstraße 3 bis 7, Flurstücknummer 50, 51 und 52. Der Verein macht es sich zur Aufgabe, durch Mitgliedsbeiträge, das Sammeln von Spenden, sowie auf andere Art und Weise, die Pflege und Erhalt der Friedenskirche und des Kulturdenkmals im Allgemeinen, sowie die Kirchennutzung im Speziellen zu fördern. Der Verein verfolgt keine Erwerbszwecke.“

Wer glaubt, dass es dann nicht mehr schlimmer kommen kann, der irrt. Wir hatten gegenüber dem Dekanat unser Unverständnis darüber geäußert, dass das Leitungsgremium der Kirchengemeinde Waghäusel eine zweckgebundene Spende des Fördervereins in Höhe von 500 € zurück überwiesen hat.

Kurz vor dem Reformationstag 2014 wurden die Verantwortlichen des Fördervereins mit einem weiteren Antwortschreiben der Kirchengemeinde konfrontiert, welches Fassungslosigkeit in der gesamten Verwaltung auslöste.

Einige Auszüge aus dem Schreiben:

  1. Zunächst möchten wir festhalten, dass der Ältestenkreis erstaunt darüber ist, dass die Spende ohne vorher erfolgte Kommunikation überwiesen wurde. Wir hätten erwartet, dass Sie Ihre Absicht mit uns zuallererst besprechen. „
  2. In der Beratung wurde deutlich, dass die Gemeinde bezüglich des Erhalts und der Verschönerung der Gartenanlage der Friedenskirche, mit einer zweckgebundenen Spende in dieser Höhe nichts anfangen kann. Deshalb baten wir darum, das Geld umzuwidmen, damit die Spende der Kirche zugute kommen könne. „
  3. … werden wird auch weiterhin auf Mittel des Fördervereins verzichten.“
  4. Wir bitten Sie, diese Haltung zu akzeptieren und auf weitere Korrespondenz mit dem Dekanat und anderen leitenden kirchlichen Stellen zu verzichten.

Zu Luthers Zeiten mögen solche Vorgaben noch üblich gewesen sein, aber in der heutigen Zeit gibt die Landeskirche sehr viel Geld dafür aus, ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde zu fördern. So heißt es im Leitbild der Landeskirche:

  • „Ehrenamtlich und beruflich Tätige nehmen in einer Atmosphäre des Vertrauens gemeinsam Verantwortung für die ganze Kirche wahr, indem sie sich team- und gabenorientiert einbringen“

oder weiter dazu zum Thema gabenorientierte Mitarbeit:

  • „GABENORIENTIERTE MITARBEIT UND GEMEINDEENTWICKLUNG NIMMT DIE CHARISMEN DER GEMEINDEGLIEDER ERNST. Sie macht Gemeinde zu einem Ort, an dem sich Menschen mit dem einbringen können, was sie gern und gut machen, und in Bereichen, in denen ihr Herz schlägt. So ist sie offen für Veränderungen und neue missionarische Aufbrüche. GABENORIENTIERTE GEMEINDEENTWICKLUNG FÖRDERT EIN KLIMA DER GEGENSEITIGEN WERTSCHÄTZUNG“

Der Verein ist um Schlichtung bemüht. Den verpassten Maulkorb können wir nicht akzeptieren. Wir haben uns deshalb erneut an das Dekanat und den Oberkirchenrat gewandt. Im Kern geht es um folgende Fragen:

  1. Kann die Vorsitzende eines Kirchengemeinderates beschließen lassen, nur noch Spenden ohne Zweckbindung anzunehmen?
  2. Kann die Vorsitzende eines Kirchengemeinderates beschließen lassen, von einem Förderverein, der aus Mitgliedern der Gemeinde besteht,  grundsätzlich keine Spenden mehr anzunehmen?
  3. Gilt das Leitbild der Landeskirche in Waghäusel nicht (mehr)?

Übrigens: Der Förderverein hat seit seiner Gründung jedes Jahr mehrfach für die Aufgaben der evangelischen Kirchengemeinde gespendet. Selbst im durchaus turbulenten Gründungsjahr des Vereins, in dem wir uns durch unsere Gründung zunächst gegen den damaligen Kirchengemeinderat positionierten, wurden diese Spenden von der evangelischen Kirchengemeinde schon gerne angenommen.

Hier eine kleine Auswahl:

  • 2005 => Reparatur Aufsitzrasenmäher Friedenskirche im Wert von 300 Euro (… und in den Jahren danach Inspektionen …); Anschaffung von Gartenwerkzeugen.
  • 2006 bis heute =>
    • Kerzen für alle monatlichen Taizé-Gottesdienste (seit Dezember 2005 bis heute: jeder Kirchenbesucher erhält eine Kerze)
    • Holzkreuz, viele Glasvasen und Windlichter (incl. regelmäßige Nachkäufe)
    • Abendmahlswein (regelmäßig bei Bedarf), Altarkerzen (regelmäßig bei Bedarf),
    • Blumenschmuck (regelmäßig bei Bedarf)
    • Adventskränze (fast jedes Jahr)
    • Christbäume, Beleuchtung, Ständer, Schmuck (fast jedes Jahr)
    • Entsorgung von Grünschnitt (seit 2005 in vielen Jahren tonnenweise)
  • 2010 => Druck der Festschrift der evangelischen Kirchengemeinde (ca. 2.000 € Eigenanteil plus gesammelte Spenden)
  • … und noch viel mehr, anlässlich der jährlichen Sommerfeste (… wir spendierten jedes Jahr die komplette Verpflegung für alle Gäste …) und den Stallgottesdiensten …
  • … oder bei den Reparaturen am Kirchendach, dem Dach des Gemeindehauses, dem Tausch von gebrochenen Fensterscheiben in der Kirche … der Sicherstellung des Frostschutzes im Gemeindesaal, denn dort gibt es keine Heizung mehr, aber WCs und empfindliche Wasserleitungen …

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    Titelseite Mitteilungsblatt

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Mail vom 14. Juli 2014 an uns: Sehr geehrte, liebe Frau Liebl, da ich nicht warten will, bis wir uns wiedersehen, sage ich Ihnen auf diesem Wege ein ganz ganz herzliches Dankeschön für das gelungene Gemeindefest! Ich bin noch immer sehr beeindruckt von der organisatorischen Professionalität und fröhlichen Herzlichkeit, mit der Sie und Ihre Mitstreiter (ich nehme an, allen voran Fördervereinsmitglieder) dieses Fest auf die Beine gestellt haben. Von den Tischdekorationen – die frischen Hortensienblüten! – über den Willkommenssekt, die auf den Punkt gebratenen Steaks und die vielen leckeren Kuchen bis hin zu der ansteckenden Fröhlichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da waren auch so viele junge Menschen tatkräftig mit dabei. Fand ich toll! Wir, meine Partnerin und ich, haben uns bei diesem Fest sehr wohl gefühlt. Vielen lieben Dank deshalb für alle Vorbereitung und Arbeit, die den Menschen der Gemeinde dieses gelungene Fest ermöglichte! Ich freue mich, dass die Gemeinde solche engagierten Menschen hat. Sie sind ein wahrhaft großer Schatz, für den alle wirklich dankbar sein sollten. Und diesen Dank möchte ich Ihnen mit dieser Mail gern sagen.

Roland Liebl, Vorsitzender Förderverein Friedenskirche, am 31. Oktober 2014

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