Die Kirchengemeinderatsvorsitzende und das achte Gebot

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Leserbrief in den BNN vom 26. November 2014. Laut Kirchengemeinde ist darin alles falsch wiedergegeben. Auf Rückfrage: Die Taizé-Gottesdienste sind doch nicht 14-tägig, sondern nur monatlich! Mit Verlaub: Für die Botschaft dieses Leserbriefes ist dieser inhaltliche Fehler so gravierend, wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt.

Ich habe sehr lange mit mir gerungen, ob und wie ich ggf. diesen Blogbeitrag erstelle. Nach reiflicher Überlegung hat mir mein Gewissen den Weg gezeigt: Ich möchte und kann nicht mehr schweigen. Dies bin ich dem jahrelangen Ehrenamt vieler engagierte Helfer in der Kirchengemeinde schuldig. Insbesondere auch allen denen gegenüber, die seit dem Frühjahr 2014 mit steigender Frequenz völlig unchristliche Schreiben aus dem evangelischen Pfarramt Waghäusel erhalten haben.

Diese Briefe haben vielen von uns so manche schlaflose Nacht bereitet und teilweise auch heftige körperliche Reaktionen hervorgerufen.

2014_12_30_10-Gebote„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, heißt es im achten Gebot. Ursprünglich bezog sich dieses Gebot auf die Aussage vor Gericht, es betraf also die Rechtsprechung. Der Zeuge musste die Wahrheit sagen, damit kein Falscher zu Schaden kam, sprich sein Leben, seinen Besitz oder seinen guten Ruf verlor. Verboten wird also im achten Gebot die bewusste Falschaussage.

Man sollte annehmen dürfen, dass eine Vorsitzende eines Kirchengemeinderates keine bewusste Falschaussagen vornimmt, schon gar nicht im Amt. Leider ist in Waghäusel das Gegenteil der Fall.

Die folgenden Beispiele sind bestimmt keine Missverständnisse. Die Vorgänge haben seit dem Frühjahr 2014 einen klar erkennbaren roten Faden.

Beispiel 1 (Taizé-Gottesdienste – Planung für 2015):

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Pfarrer i. R. Prof. Dr. Rupp bei seinem letzten Taizé-Gottesdienst am dritten Advent 2014 in der Friedenskirche. Nach über neun Jahren und fast 100 Taizé-Gottesdiensten in der Friedenskirche wird nicht nur der Förderverein ausgesperrt.

  • Am Sonntag, den 14. Dezember 2014 verkündete Pfarrer Rupp am Ende des Taizé-Gottesdienstes, dass „dies sein letzter Taizé-Gottesdienst gewesen sei, da laut Beschluss des KGR in Zukunft Pfarrerin Hoffmann die Taizé-Gottesdienste übernehmen werde. Er werde nicht mehr gebraucht.“ (Anmerkung: Eine Kopie des Briefes vom 23. Oktober 2014 liegt mir vor. Der Beschluss wurde laut Schreiben der KGR-Vorsitzenden vom Ältestenkreis am 22. Oktober 2014 gefasst).
  • Direkt im Anschluss an den Taizé-Gottesdienstes kam es zu einem Gespräch zwischen Pfarrer Rupp und einem anwesenden Kirchengemeinderat. Der Kirchengemeinderat versicherte, dass er „diesen Brief und insbesondere diesen Beschluss nicht kennt.“ Er war sich außerdem sehr sicher, dass am besagten 22. Oktober 2014 kein entsprechender Beschluss im KGR gefasst wurde.
  • Ich selbst habe den Kirchengemeinderat deshalb aufgefordert, diesen Widerspruch bitte unverzüglich aufzuklären. „Es kann nicht sein, dass seit Monaten wiederholt Briefe aus dem Pfarramt an Ehrenamtliche verschickt werden, die vom Stil und Inhalt eines Pfarramtes unwürdig sind, und der Kirchengemeinderat diese nicht kennt.“
  • Wie inzwischen bekannt wurde, hat der besagte Kirchengemeinderat, der im Hauptberuf Dekan und Professor an einer Hochschule in Karlsruhe ist, Konsequenzen gezogen, und sein Ehrenamt im KGR mit sofortiger Wirkung niedergelegt: „Angesichts eines solchen Vorgehens stellt sich die Frage, wozu Kirchengemeinderats-Sitzungen und Kirchengemeinderats-Protokolle, 2014_12_30_10-Gebotewenn danach einfach passende Kirchengemeinderats-Beschlüsse frei nach Gutsherrenart erfunden und hinter dem Rücken der übrigen Kirchengemeinderats-Mitglieder an Ehrenamtliche verschickt werden. … Ein solcher Umgang mit Ehrenamtlichen, wie ich ihn hier erleben musste, beschämt mich zutiefst und ich kann und werde ein solches Vorgehen nicht mittragen.“ (Quelle: Gedächtnisprotokoll nach einem Gespräch mit einem Betroffenen, dem die Rücktrittserklärung vorlag).
  • Mein Dank gilt dem ausgeschiedenen Kirchengemeinderat für die mutige Entscheidung und die klaren Worte. Meine Kritik gilt dem Umstand, dass nun erneut jemand Verantwortung übernimmt, der nichts falsch gemacht hat.

 Beispiel 2 (Grünpflege Areal Friedenskirche 2014):

  • Im Mai 2014 habe ich ein längeres Telefonat mit der KGR-Vorsitzenden geführt, um über die mögliche Verwendung der vom Förderverein zur Verfügung gestellten 500 Euro zu beraten. Eine von mir vorgeschlagene Option war die vorübergehende Erhöhung der Arbeitsstunden des Hausmeisters am Standort Friedenskirche für die Grünpflege. (Anmerkung: Für den Inhalt eines Telefonat gibt es im Regelfall keine Belege. Im konkreten Fall hat mir meine Ehefrau die Telefonnummer herausgesucht und die Nummer gewählt. Beim Telefonat war sie anwesend, d.h. meine Vorschläge hat sie gehört und in einer Aktennotiz festgehalten)
  • Eine weitere vorgeschlagene Option beim Telefonat im Mai war die Anschaffung eines kleinen Benzinrasenmähers. 
  • Mit Schreiben vom 24. Oktober 2014 hat mich die KGR-Vorsitzende darüber informiert, dass „die Gemeinde bezüglich des Erhalts und der Verschönerung der Gartenanlage der Friedenskirche, mit einer zweckgebundenen Spende in dieser Höhe nichts anfangen kann.“ Als Vorsitzender des Fördervereins muss ich mich fragen, ob die KGR-Vorsitzende den Brief vom 24. Oktober 2014 überhaupt selbst geschrieben hat und ob sie ggf. liest und versteht, was sie unterschreibt? Hat sie unser gemeinsames Telefonat vom Mai komplett vergessen? 2014_12_30_10-GeboteHat sie dem Kirchengemeinderat meine persönlich vorgetragenen Ideen überhaupt zur Kenntnis gebracht? Warum stellt die KGR-Vorsitzende den relativ einfachen Sachverhalt so falsch dar?
  • Mit Schreiben vom 4. Dezember 2014 hat mir das Dekanat freundlicherweise einen Protokollausschnitt der KGR-Sitzung vom 5. Juni 2014 zur Verfügung gestellt. Darin heißt es: „Da die Spende zweckgebunden ist und eine Firma mit der Grünpflege nicht beauftragt werden soll (Kosten), wird Herr B. (Hausmeister; Anmerkung: Name hier im Blog abgekürzt) künftig mehr Zeit für die Grünpflege der Friedenskirche aufwenden …“.
    2014_06_05_Protokoll-KGR

    Protokollausschnitt der KGR-Sitzung vom 5. Juni 2014


    Das schlägt dem Fass den Boden aus, ist es doch genau ein mit der KGR-Vorsitzenden persönlich besprochener Vorschlag des Fördervereins, der vom KGR auch noch angenommen wurde!
     
    Warum das Geld dennoch zurückgegeben wird, bleibt laut Protokollausschnitt ein Geheimnis.

  • Übrigens: So gepflegt wie aktuell, war das Kirchengelände rund um die Friedenskirche schon lange nicht mehr. Herzlichen Dank zumindest dafür!

Beispiel 3 (Ablehnungsgrund für die Spende über 500 Euro)

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16. Juni 2014: Rückbuchung der „unerwünschten“ Spende. Man sollte erwarten, dass zu diesem Zeitpunkt der Ablehnungsgrund bereits im Kirchengemeinderat beraten und beschlossen wurde. Das Sitzungsprotokoll vom 5. Juni 2014 lässt den Grund offen (vergl. einige Zeilen weiter oben).

Dem geplanten runden Tisch im Januar 2015 möchte ich an dieser Stelle nicht vorgreifen. Er soll sich mit dem Thema näher beschäftigen. Allerdings ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass es im Jahr 2005 keinen Beschluss des Kirchengemeinderates gab, dass man vom Förderverein Friedenskirche Waghäusel e.V. keine Spenden annehmen wird. Dennoch beruft man sich im Schreiben vom 24. Oktober 2014 auf diesen im Jahr 2005 angeblich gefassten Beschluss: 2014_12_30_10-Gebote„Nach sorgfältiger Abwägung hat der Kirchengemeinderat in seiner Sitzung im Oktober 2014 beschlossen, auch weiterhin für unsere Arbeit als ehrenamtliche und hauptamtliche Verantwortliche, diesen Beschluss als bindend zu erachten.

2014_12_28_Beschluss

Steter Tropfen höhlt den Stein: Erst ein Schreiben der Rechtsabteilung des Evangelischen Oberkirchenrates hat den entscheidenden Hinweis gebracht. Die Antwort des Dekanats auf meine hartnäckige Rückfrage ist nicht von Freude geprägt. Offensichtlich ist es so, dass die KGR-Vorsitzende von Waghäusel innerhalb von 24 Stunden an zwei verschiedene Empfänger Briefe verschickt hat, die sich auf nicht protokollierte und auch so nie gefasste KGR-Beschlüsse beziehen. Das ist nach meiner Meinung eines Pfarramtes unwürdig!  

Warum beruft sich die KGR-Vorsitzende vier Monate nach Rückgabe der Spende von 500 Euro auf einen Beschluss des KGR aus dem Jahr 2005, der in keinem Protokoll steht und so vom damaligen KGR auch nie gefasst wurde?

Als Vorbereitung auf den runden Tisch im Januar 2015 sei an dieser Stelle kurz protokolliert, wie sich das erste Jahr der Vereinsarbeit des Fördervereins gestaltet hat:

  • Beschluss des damaligen KGR, die Friedenskirche abzureisen.
  • Am 15. April 2005 gründet sich ein Förderverein zum Erhalt der Friedenskirche.
  • Am 22. April 2005 informiert der Verein durch Publikation im Mitteilungsblatt der Stadt Waghäusel über seine Gründung.
  • Am 24. April 2005 veranlasst der damalige Gemeindepfarrer eine Pressemeldung, die klarstellte, dass es im KGR eine andere Beschlusslage gibt und der neu gegründete Verein daher nicht im Namen und Auftrag der Kirchengemeinde handelt (Anmerkung: Eine Pressemeldung ist kein KGR-Beschluss, so auch die Rechtsauffassung der Rechtsabteilung des Evangelischen Oberkirchenrates vom 25. November 2014).
  • Am 3. Mai 2005 fand eine Gemeindeversammlung statt. Auf der Gemeindeversammlung drehte sich die Stimmung in Richtung Erhalt der Friedenskirche.
  • 2005_09_24_Einladung

    Einladung des KGR zu einem Gespräch, ob und wie die Friedenskirche in naher Zukunft genutzt werden soll.

    Am 20. September 2005 begannen die Gespräche zwischen der Gemeinde und dem Kirchengemeinderat.

  • taizewerbung

    Seit dem 1. Advent 2005 eine regelmäßige Tradition in der Friedenskirche.

    Am 1. Advent des Jahres 2005 startete wieder die Nutzung der Friedenskirche. Der Förderverein erhielt zu diesem Zeitpunkt einen Schlüssel um die Vorbereitung der Taizé-Gottesdienste übernehmen zu können, sowie die regelmäßige Pflege der Außenanlage.

  • Der KGR hat in der Folge den Abrissbeschluss wieder zurückgenommen und sich für den langfristigen Erhalt der Friedenskirche ausgesprochen.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Förderverein und Kirchengemeinde entwickelte sich unter der damaligen Vorsitzenden Schritt für Schritt, auch wenn es im Detail durchaus unterschiedliche Positionen gab und gibt. Das Ehrenamt wurde stets akzeptiert und respektiert. Als Nachweis möge z.B. der Gruß des damaligen Pfarrers zum ersten gemeinsamen Sommerfest am 6. August 2006 dienen:

    2014_12_29_Sommerfest

    „Dem Guten dienen“ – Sonntag, 6. August 2006 – erstes gemeinsames Sommerfest

Beispiel 4 und weitere: 

Diese gibt es, teilweise auch schon schriftlich an die KGR-Vorsitzende adressiert. Auf Antworten habe ich bisher vergeblich gewartet. Leider!

Abschließen möchte ich diesen Blogbeitrag mit dem zentralen Satz aus meinem Neujahrsgruß 2015: „Für das Jubiläumsjahr des Fördervereins wünschen wir uns sehnlichst eine Rückkehr zum guten Miteinander, zu Seriosität in der Zusammenarbeit und zur Wertschätzung des Ehrenamts.“

Roland Liebl,

Vorsitzender Förderverein Friedenskirche

Waghäusel, den 6. Januar 2015

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