Konverter Waghäusel – Bürgerinitiative will „Monstrum“ verhindern

2015_05_25_Monstrum-verhindern

Widerstand gegen Großkonverter formiert sich – Schreiben an die Gemeinderäte übergeben (Bildmontage: Liebl)

Nichts bewegt die Gemüter in der Region rund um Waghäusel derzeit so stark, wie der geplante Konverterstandort Landstraßenäcker. Als gelernter Fernmeldeinstallateur, Student der Fachrichtung Physik (Zweitfach, TH Karlsruhe, abgeschlossen), ehemaliger Mitarbeiter in einem Forschungszentrum und erfahrener Fachlehrer an einer Fachschule für Elektro- und Automatisierungstechnik habe ich ein fundiertes technisches Bild von dem geplanten Bauvorhaben.

Meine persönliche Meinung:

  1. Es stehen offensichtlich nach umfangreicher Alternativen-Prüfung nur noch zwei Standort-Varianten zur Auswahl. Nach meiner Einschätzung wird sich daran auch kaum noch etwas ändern lassen. Es sei denn: Es werden Verfahrensfehler im Bundesnetzplan zur HGÜ-Vernetzung gesucht und gefunden!
  2. Ich nehme die Sorgen der BI-Mitglieder und der Bevölkerung sehr ernst. Ich teile allerdings die allermeisten der mir bisher vorgetragenen technisch-physikalischen Bedenken nicht. Deshalb habe ich auch keine Angst vor einem Konverter. 
  3. Waghäusel ist im Gegensatz zu den Nachbarkommunen Philippsburg und Oberhausen-Rheinhausen nicht schuldenfrei, hat ein Strukturproblem im Haushalt und benötigt dringend verlässliche Einnahmen zur Finanzierung der umfassenden freiwilligen Bürgerleistungen (Vereins- und Kulturförderung, zahlreiche Sporthallen, Rheintalbad, Bibliothek, …).
  4. Waghäusel ist nach meiner Meinung gut beraten, den Standort sachlich in aller Ruhe zu prüfen.

Technische Hintergrundinfos:

  1. Was macht ein Konverter?
    • Umwandlung von Wechselspannung (AC) in Gleichspannung (DC) und umgekehrt mittels Halbleitertechnik unter Verwendung von Spulen zur Glättung der Wechselspannung. Transformatoren entkoppeln galvanisch.
    • Solche Vorgänge finden übrigens im Kleinen grundsätzlich in jedem Handy auch schon statt. Dort sind wir allerdings im Watt-Bereich, beim Konverter dagegen im 1000-Mega-Watt-Bereich, d.h. ungefähr 1.000.000.000 mal intensiver.
  2. „Strahlt“ ein Konverter?
    • Es gibt magnetische und elektrische Felder. Das elektrische Feld hängt von der Spannung ab, das magnetische Feld vom Strom. Beide Felder nehmen mit zunehmender Entfernung stark ab und können in Gebäuden, d.h. im Konverter, schon recht gut abgeschirmt werden.
    • Ich habe während meiner Tätigkeit in der Forschung bei der Heidelberger Druckmaschinen AG selbst schon EMV-Messungen an Druckmaschinen (Funken-Erosionverfahren der Firma Presstek; GTO-DI 52) vorgenommen. Erschreckend, wie stark die Ruhemessungen alleine durch die elektrischen Leitungen schon beeinflusst sind. Wir haben nachts und am Wochenende im recht gut abgeschirmten Stahlbeton-Keller des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Heidelberg gemessen, und hatten unerwartet hohe Messergebnisse. Mein Fazit: Die elektrischen und magnetischen Felder im Umfeld eines Konverters werden in erster Linie durch die zu- und abgehenden Leitungen bestimmt. Über die wird allerdings nicht diskutiert!
  3. Gibt es weitere Emissionen?
    • Lärmimmissionen: Transformatoren sind zu kühlen, Gebläse erzeugen dabei Lärm. Auch hier gilt, dass es eindeutige Rechtsvorschriften gibt, was z.B. in 100 m Entfernung noch hörbar sein darf. Solche Fragen sind ggf. im Bauverfahren zu klären.
2015_05_Strom-Ja

Bürgerinitiativen haben oft sehr klare Vorstellungen, was sie wollen und was nicht (Bild: Liebl)

 

 

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5 Antworten zu Konverter Waghäusel – Bürgerinitiative will „Monstrum“ verhindern

  1. Erhard schmitteckert schreibt:

    Die Argumente und Hinweise finde ich für richtig. Auch ich habe keine Angst vor dem angeblichen „Monstrum“. Die zwei Zuckersilos in Wahäusel, sind ein viel größeres Monstrum. Drei mal so hoch! Und die zwei Kühltürme am Kernkraftwerk sind noch viel größer. Wer hat Angst vor den Zuckersilos? Vor den Kühltürmen? Diese wurden ohne Diskussionen gebaut.

    Die Ängste vor dem geplanten Konverter werden den technisch nicht informierten Bürgern beigebracht mittels falschen Angaben und Aussagen. Ich finde dies unverantwortlich.
    Erhard Schmitteckert, Dipl. Ing.

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  2. Lieber Herr Liebl, lieber Herr Scmitteckert,

    ich kann Ihren Zustimmungen zum Konverter (zu den Konvertern) so nicht beipflichten. Sind Sie auf der Gründungsversammlung der BI oder auf den Informationsveranstaltungen der Transnet gewesen und haben sich erkundigt, wie hoch die genehmigte Gesamtleistung des Konverters denn sein werden?
    Mit bis zu 5 Gigawatt Leistung wird die Stromleistung fast 3 mal höher als die der zwei Atommmeiler in Philippsburg. Und: Wo solch ein starker Strom generiert / umgewandelt wird, entsteht sehr starker Elektrosmog.
    Die Smogbelastung im Umkreis von 3,5 km wird dann so stark sein, daß empfohlen wird, dort nicht zu wohnen. Wohnen Sie selbst in diesem Umkreis? Ihre Immobilie können Sie dann mal gleich verschenken, denn verkauft werden Sie die nicht mehr bekommen.
    Selbst Transnet schreibt, ohne jemals danach gefragt worden zu sein, daß der Elektrosmog innerhalb eines 1,5 km Radius so stark wird, daß er gesundheitsgefährdend sein wird!
    Es ist ungefährlicher, wenn Sie sich Ihr Handy des Nachts unter Ihr Kopfkissen legen, als der permanenten Strahlung des Konverters ausgesetzt zu sein. Bitte erklären Sie das mal Ihren Enkeln, warum Sie für ein solch strahlendes Objekt vor unsere Haustür sind.
    Als zweites ist zu erwähnen, daß die Konverter gekühlt werden müssen und zwar nicht nur durch Luftkühlung, sindern durch einen „geschlossenen“ Kühlkreislauf. Sie Herr Liebl als Physiker sollten es ja am Besten wissen, daß es keinen vollkommen geschlossenen Kühlkreislauf geben kann..
    Und das in einem Wasserschutzgebiet, aus dem mehrere zehntausend Menschen ihr Trinkwasser bekommen.
    Das dritte, was es zu bedenken gilt: Innerhalb der ENBW, der Mutter von Transnet ist es strittig, ob wir hier überhaupt einen Konverter für den dreckigen Kohlestrom aus dem Norden (ja um den geht es, nicht um den „sauberen“ Strom der Offshore Windanlagen!) hier brauchen, da wir uns hier mit Solar-, Biogas- und Wasserkraftstrom so gut selbst versorgen und noch Überschuß produzieren.

    Liebe Grüße

    Bernhard Lenz

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    • 62rolandliebl schreibt:

      Sehr geehrter Herr Lenz,

      ich erlaube mir auf Ihre Fragen direkt zu antworten. Ich beginne mit Ihrer letzten Frage.

      ( 3 ) Brauchen wir einen Konverter? Meine Antwort: Ja, sofern das lokale Kernkraftwerk komplett abgeschaltet wird und keine lokale grundlastfähige Ersatzstromversorgung vorhanden ist. Wind, Sonne, Wasser und andere regenerative Energien stehen bei uns nicht ganztägig und ganzjährig in der notwendigen Menge zur Verfügung. Regenerative Energien müssen im schlimmsten Falle von der windreichen Nordsee in den Süden transportiert werden. Bei Flaute müssen ggf. auch Kohlekraftwerke „hilfsweise“ Energie liefern, wenn wir auf Atomstrom verzichten. Wegen der großen Entfernungen funktionieren die bisherigen Übertragungsmöglichkeiten nicht mehr. Es geht nur in Form von Gleichstrom, d.h. mit anschließender Konvertierung in Wechselstrom.

      (1) Das Thema „Strahlung“ ist in Ihrer Darstellung nach meiner Meinung übertrieben. Man kann abschirmen und dies muss sein. Selbst die gefährliche Atomenergie ist bei uns in unmittelbarer Nähe dank guter Abschirmung faktisch nicht mehr messbar. Es gibt aber einen großen Unterschied: Atomabfall strahlt tausende Jahre und ein kleiner Defekt hat große Auswirkungen. Elektrosmog ensteht nur während des Betriebes. Und ich fordere eine ausreichende Abschirmung. Ihre Zahlen mit 3,5 km Umkreis und dem Handy unter dem Kopfkissen gelten nur für eine fehlende, bzw. sehr mangelhafte Abschirmung.

      (2) Auch das Thema des Kühlkreislaufes ist in Ihrer Darstellung übertrieben. Natürlich gibt es Flüssigkeiten, die bei einer Leckage austreten könnten. Die müssen aber nicht gleich versickern. Bautechnisch gibt es Auffangwannen und andere geeignete Vorrichtungen. Die gibt es übrigens auch in Wasserwerken selbst. Auch dort werden grundwassergefährdende Flüssigkeiten (z.B. Diesel für die Notstromversorgungen) gelagert. In Oberhausen-Rheinhausen gibt es im kritischen Umkreis der Wasserversorgung bestimmt tausende private Öltanks mit jeweils tausenden Litern Öl. Das sind Millionen an Litern mit Gefahstoff. Das ist heute kein Problem …

      Nach meiner Meinung geht es darum ganz sachlich die Argumente zu diskutieren und erst dann abzuwägen.

      Herzliche Grüße
      Roland Liebl

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      • Erhard Schmitteckert, Goethestr. 15, Tel 1614 schreibt:

        Den Ausführungen habe ich nichts hinzuzufügen. Ich stimme diesen ausdrücklich zu.

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  3. truschgonzo schreibt:

    Lieber Herr Liebl, lieber Herr Schmitteckert,

    da meine Antwort, die ich gestern verfasst habe irgendwie verloren ging, sende ich Ihnen nochmals einen Kommentar zu der Antwort von Herrn Liebl.

    Zuerst mal: Sehr polemisch, was Sie da mit dem „Ja / Nein“ in Ihrer Antwort machen. Obwohl: Zu Strom sagten Sie „Ja“. Und das ist auch gut so, denn hier

    https://ischkannaahochdeitschwillawwanit.wordpress.com/

    finden Sie einen Artikel der BNN vom 06.06. 15, in dem eindeutig nochmals belegt wird, daß wir den dreckigen Kohlestrom aus dem Norden (um den geht es, da kann die Politik noch so Drumherum lügen) nicht brauchen. Es belegt auch meine Aussage, daß die ENBW (Erdgas Südwest gehört auch zu ENBW!) seit langem diskutiert, daß wir hier keinen Konverter brauchen, denn wir können uns ohne den von der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur forcierten Konverter versorgen.
    Den zweiten Artikel aus der BNN vom 18.06.15 berichtet von der Enzyklika des Papstes. Gerade dieser Artikel und das große Medienecho darauf kann ja Sie beide als Christen (was ich aus dem C in ihrer Partei, der Sie ja dazugehören schließe) nicht unberührt lassen!
    Denken Sie mal darüber nach.

    Was mir überhaupt nicht gefällt, ist, daß Sie die Zuckersilos der Südzucker als Monstrum bezeichnen. Das belegt mir, daß Sie von den Ausmaßen des geplanten Konverters aber überhaupt keine Ahnung haben!
    Hier mail ein paar Zahlen:

    4 x so groß wie das dm Verteilerzentrum und noch ca. 5 m höher!
    100.000 m² zubetonierte, versiegelte Fläche
    480.000 Liter Öl zum Kühlen der Konverter
    Was ist nun das Monstrum?
    Für mich zählen die Zuckersilos als ein Wahrzeichen der Stadt Waghäusel und es sollte darüber nachgedacht werden, ob die Silos nicht sogar, wie verschiedene Kohlebergwerksanlagen, erhalten bleiben sollen, als Kulturdenkmal…

    Auch Ihre Bemerkung zu den Heizöltanks finde ich sehr unpassend als Vergleich. Die Heizöltanks stehen nicht im Wasserschutzgebiet wie der Konverter

    Ich bin sehr viel draußen in der Natur unterwegs und habe Bedenken, daß ein solches Konvertermonstrum das ökologische Gleichgewicht hier noch mehr aus dem Gefüge bringt.

    Bedenken Sie, daß es in dem Gebiet des geplanten Konverter Standortes auch viele seltene Vögel, Eidechsen und auch Fledermäuse gibt (ein Schelm der Böses dabei denkt, denn eine Fledermaus verhindert ja offensichtlich die Wagbachver- und offenlegung!). Das ist meines Erachtens mal eine Anfrage beim B.U.N.D. und anderen Naturschützern wert, ob der geplante Standort überhaupt geeignet ist, oder wie sehen Sie das?

    Zur Strahlung: Woher wissen Sie, wievielt ein solch riesiger Konverter mit bis zu 5 Gigawatt Leistung denn im Endeffekt an Elektrosmog produziert? Haben Sie ein solches Monstrum mal besichtigt oder waren Sie da und haben die Strahlung gemessen?

    Da bereits ohne Nachfragen von der TransNet BW für einen Umkreis von 1,3 km um den Konverter mit Gesundheitsbedenken zu rechnen ist (bei 2 Gigawatt Leistung!), wie sind denn dann die wahren Werte.

    Ich für mich möchte nicht in einer solch gesundheitsgefährdenden Gegend leben. Sie und Ihre Kinder und Enkel doch sicher auch nicht.

    Bernhard Lenz

    Hier finden Sie die besagten BNN Artikel: https://ischkannaahochdeitschwillawwanit.wordpress.com/

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