Evangelische Kirchengemeinde Waghäusel: Alles hat seine Zeit

Nach den Rücktritten von drei, der acht gewählten Kirchengemeinderäte (Prof. Dr. Grünhaupt, Daniel Born, Ursula Liebl), im Zusammenhang der Einstellung der monatlichen Taizé-Gottedesdienste in der Friedenskirche Waghäusel, hat nun auch das Projektteam Oberhausen-Rheinhausen reagiert. Auch hier fehlt es aktuell an der Würdigung des Ehrenamtes durch die verbliebenen Kirchengemeinderäte:

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Quelle: Kirchliche Mitteilungen der Evangelischen Kirchengemeinde Waghäusel im Mitteilungsblatt der Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen, 26. Juni 2015


Alles hat seine Zeit

So auch die Zeit des Projektteams Oberhausen-Rheinhausen der Evangelischen Kirche Waghäusel:

Nachdem unsere Mitarbeit beim Weihnachtsgottesdienst 2014 nicht mehr benötigt wurde, der Kreuzweg mit Herrn Professor Dr. Rupp ohne Angabe von Gründen abgelehnt wurde, das von uns organisierte Osterfrühstück mit der Begründung, es sei immer zu oppulent gewesen, in der bisherigen Form nicht mehr stattfinden durfte, und der ursprünglich von uns geplante Krabbelgottesdienst irgendwann in Wiesental durchgeführt werden soll, haben wir beschlossen, erst einmal eine Pause einzulegen.

Die Spendengelder in Höhe von 2.200,37 Euro aus den letzten Papiersammlungen und vom Weihnachtsmarkt 2014 wurden vom Pfarramt auf unseren Wunsch hin zu je einem Drittel an die Organisation „FREEZONE“ für Straßenkinder in Mannheim, an die Vesperkirche in Karlsruhe und an den Tafelladen in Kirrlach überwiesen. Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre und Eure Unterstützung und Treue in den letzten 13 Jahren, ganz besonders bei unseren katholischen Schwestern und Brüdern, die immer in großer Zahl bei uns zu Gast waren.

Wir haben alle unsere Projekte mit viel Freude durchgeführt.

Aber damit ist die kirchliche Arbeit in der Gemeinde nicht beendet, Frau Pfarrerin Hoffmann mit Team hat ganz viele neue Ideen, die nun in Oberhausen-Rheinhausen zum Tragen kommen werden.

Wir wünschen dabei viel Erfolg und Gottes Segen.

Ihr Evangelisches Projektteam Oberhausen-Rheinhausen


Hier zur Erinnerung die Festrede zum 10-jährigen Bestehen vom damaligen Leiter der Gemeindeversammlung, Herrn Professor Dr. Hartmut Rupp:

10 Jahre Projektteam Oberhausen

10 Jahre Projektteam das ist auch ein Stück Kirchengeschichte. Und damit meine ich Geschichte der Kirche, genauer Geschichte der evangelischen Kirche. Ich meine allen Ernstes, dass hier exemplarisch deutlich wie heute evangelische Kirche sein kann. Meine Gedanken verknüpfe ich mit den vier Leitbildern der Kirche, die in unserer Landeskirche eine große Rolle spielen.

Es sind vier biblische Bilder: das Bild vom wandernden Gottesvolk, das Bild vom Leib Christi, das Bild von dem Haus aus lebendigen Steinen und dem Bild von Salz der Erde.

Das wandernde Gottesvolk

Hebr 13,14 wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Wir sind auf einem Weg durch die Zeit und die Zeit ändert sich. Auch wenn man es in Waghäusel noch nicht spürt, wir werden weniger und wir werden älter. Evangelische bekommen weniger Kinder. Und wir werden ärmer. Darum muss man jetzt schon über Raumkonzepte der Zukunft nachdenken. In den letzten 15 Jahren sind unsere Gemeinden größer geworden. Was die Katholiken mit ihren Seelsorgeeinheiten machen, machen wir im Kleinen auch schon so. Insofern ist die Kirchengemeinde Waghäusel eine moderne Gemeinde. Sie besteht aus verschiedenen Teilgemeinden. Diese haben eigene Mentalitäten, eigene Strukturen, eigene Feste, eigene Vereine, eigene Schulen. Sie haben auch unterschiedliche Milieus und Mileumischungen. Es ist doch auffallend dass hier in der Gemeinde Oberhausen keine Russlanddeutschen sind. Oder habe ich etwas übersehen?

Der Versuch aus den verschiedenen Teilen eine Einheit machen zu wollen, ist vergebliche Liebensmüh und wäre m.E. eine Fehleinschätzung der Situation. Bis auf weiteres werden die Teilgemeinden auch eigene kirchliche Lebensformen brauchen. Ohne diese eigenen Strukturen geht kirchliches Leben zurück 0oder will nicht recht entstehen. Genau das erleben wir gerade in Kirrlach und in Hambrücken – wenn ich es recht sehe.

Der Projektansatz in Oberhausen ist eine Antwort auf diese Situation. Christenmenschen aus Rheinhausen und Oberhausen  tun sich zusammen und überlegen sich, was für sie richtig und gut ist. Lebendiger Adventskalender, Papiersammlung, Kreuzweg, Gottesdienste und feste im kommunalen Zentrum, Ausflüge und manches andere. Und das alles Entscheidende ist: sie packen es auch an, mit Engagement und Kraft. Aber sie merken auch das Älterwerden. Die Kräfte lassen nach. Es muss Veränderungen geben, aber auch das ist im Blick.

Das Haus der lebendigen Steine

1Petrus 5

5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

Darin steckt ein weiteres Element auf dem Weg. Ohne Ehrenamtliche wird es nicht gehen. Ich kann hauptamtlich Religionsunterricht erteilen, den KU durchführen (auch nicht ganz). Ich brauche Hauptamtliche für die Kasualien und die Gottesdienste. Aber für das Gemeindeleben braucht es Ehrenamtliche, die aus eigener Motivation und mit eigener Fantasie Gemeindeleben anpacken. Es braucht Leute, die die Lage vor Ort kennen und die Verantwortung übernehmen. Es braucht eine ganze Reihe von lebendigen Steinen, die sich selbst einsetzen im Gemeindeaufbau. Sie mauern sich selbst in das Haus hinein und geben diesem Fundament und Gestalt. Nach 2020 wird es mit den Stellen enger werden. Das ist gar nicht mehr so lang. Der Projektansatz nimmt diese Herausforderung auf und ernst. Er hat es geschafft Verantwortliche zu finden und ihnen Raum zu geben, um mit ihren Ideen Gemeinde zu entwickeln.

Dabei machen diese immer auf das Gesamtgebäude aufmerksam. Sie machen es so, dass sie ganz selbstverständlich Gottesdienst feiern. Ja noch mehr, dass ihnen Gottesdienst wichtig ist – in verschiedenerlei Gestalt. Die Einheit der Gemeinde zeigt sich m.E. nicht darin, dass wir alle aus verschiedenen Gemeinden ständig zusammen sitzen. Sie zeigt sich darin, dass wir Wert darauf legen und dafür sorgen, dass entschieden, ernsthaft, gern und situationsbezogen Gottesdienst gefeiert wird. Auch schon einmal ökumenisch wie an Pfingsten in Oberhausen. Wichtig ist, dass diese Gottesdienste wechselseitig offen sind, ja dass man sich freut, andere aus den anderen Teilgemeinden zu treffen. Das nehme ich durchaus wahr. Aber ich sehe auch, dass Gemeindeglieder lieber in ihrem vertrauten Umfeld bleiben. Ich verstehe das und finde gut, was das Projektteam macht. Es versucht immer wieder Gottesdienste in eigener Gestalt zu machen und dafür zu werben. Wenn der Gottesdienst bei allen Teilgemeinden gleich ist, brauche ich ja nicht einmal zu wechseln. Spannend wird es, wenn die Teilgemeinden so wie in Oberhausen auch im Bereich des Gottesdienstes eigene Formen entwickeln, die es so nur bei ihnen gibt. Ein herausragendes Beispiel sehe ich in dem Adventskalender, der so viel Mühe macht.

Ihr seid das Salz der Erde

Mt 5,

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.

Am lebendigen Adventskalender wird einmal deutlich, dass eine Ansatz bei der teilgemeinde auf andere Teilgemeinde ausstrahlt. Es macht aber auch deutlich, dass Gemeinde nur dann Gemeinde Jesu Christi ist, wenn sie auch in das Leben des Gemeinwesens hinein ausstrahlt. So verstehe ich den lebendinger Adventskalender auch. So verstehe ich die Sammlungen und die Spenden, die auch an kommunale Einrichtungen gegangen sind. Gemeinde ist nur dann lebendige Gemeinde, wenn sie sich einbringt.

Gemeinde als Leib Christi Ein Leib und viele Glieder

1 Kor 12

12 Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus.

13 Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.

Der Leib Christi hat viele Glieder. Das meint einzelne aber auch Gruppen. Wenn man den Worten von Paulus weiter folgt, dann gehören zu dem Bild der vielen Glieder in dem einen Leib auch die unterschiedlichen Gaben. Gerade das wird in der Arbeit des Projektteams deutlich. Hier arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Gaben miteinander. Der von mir so oft erwähnte lebendige Adventskalender wäre doch ohne die technischen Fähigkeiten von Herrn Hildenbrandt gar nicht möglich gewesen – um nur einen Namen zu nennen. Ich müsste natürlich all die anderen Namen jetzt auch nennen. Beim Blick auf die Gaben fällt etwas auf, was für die Kirchen insgesamt gilt und etlichen auch zu schaffen macht. Das zeigt doch das Projektteam: da wirken Menschen zusammen, die gewohnt sind Verantwortung zu übernehmen. Da arbeiten Menschen, die mit großen Summen umgehen können, die ein Geschäft führen, die Mitarbeitende führen. Der Projektteam-Ansatz hat das schon versucht, was heute gabenorientierte Gemeindeaufbau heißt. Gaben, die ich erkenne, sind nicht bloß die gut kochen zu können, sondern auch zu organisieren, Entscheidungen zu treffen und Entscheidungen umzusetzen. Manchmal habe ich den Eindruck dass unsere Kirche insgesamt  diese Situation noch gar nicht ganz verstanden hat. Wer eine Apotheke leitet, eine Arztpraxis führt, wer in einem Betrieb eine verantwortliche Position inne hat, ist gewohnt nachzudenken, Entscheidungen zu treffen und diese konsequent umzusetzen. Gemeindeleitung kann dann nicht heißen zu bestimmen, zu verbieten, Entscheidungen vorzugeben. Das wäre ein Missbrauch der Gaben in der Gemeinde. Es geht darum Raum zu geben, zu kooperieren, zu kommunizieren, abzustimmen und sich vor allem zu freuen, was da von sich aus möglich ist. Und natürlich darauf setzen, dass alle vernünftig und verantwortlich handeln und für vernünftige Argumente offen sind. Es wäre doch paradox, wenn selbständige Gemeindeglieder um Erlaubnis bitten müssten, ob sie sich für ihre eigene Gemeinde engagieren dürfen, und tun dürfen, was sie selber als gut und richtig erkennen und wofür sie bereit sind mit Kompetenz und wenn es sein muss auch mit eigenem Geld umzusetzen. Absprechen, abstimmen, sich verständigen, klar, vor allem dann wenn es um Finanzierung geht. Aber doch nicht fragen müssen, ob ich mich für etwas einsetzen darf! Das Projektteam hat in den zehn Jahren gezeigt, dass Raum geben das Beste ist, was einer Gemeinde passieren kann.

In unserer Landeskirche muss es Strukturen geben, wo Ehrenamtliche eigenverantwortlich handeln. Genau das wird gegenwärtig entwickelt, genau das  ist im Projektteam passiert. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Christus Gemeinden jene Gaben schickt, die sie braucht. Gemeinden müssen sie nur noch erkennen.

Damit habe ich die Fragen der Gemeindeleitung angesprochen. Und darum geht es ja bei diesem Bild auch. Die badische Landeskirche hat nicht das Bild vom Haupt und den Gliedern gewählt, sondern das Bild vom Leib Christi. Das Bild vom Haupt und den Gliedern spielt in den katholischen Gemeinden eine wichtige Rolle. Ein Priester kann alles verhindern. Er ist der Stellvertreter des Bischofs, der des Papstes, und der der Jesu Christi. Auch in der evangelischen Kirche gibt es Herrschaft, natürlich. Aber es ist die Herrschaft Jesu Christi. Und dessen Herrschaftsinstrument ist die Liebe, Beziehung, Kommunikation, Verständigung, Begründung, Erläuterung.

Als Melanchthon 1530 das Augsburger Bekenntnisschrieb, schrieb er auf, was evangelische Kirche äußerlich kennzeichnet. Er schreibt: Zwingend notwendig sind Predigt, Abendmahl und Taufe. Interessant ist auch, was er nicht schreibt. Zwingend notwendig ist weder ein Priester noch der Papst. Auch nicht das Pfarramt- das es allerdings noch gar nicht gab. Entscheidend ist, dass Gottesdienst gefeiert wird, dass das Abendmahl getreu dem Evangelium gereicht wird und die Taufe gespendet wird. Alles andere ist sinnvoll, aber nicht notwendig.

In dieser Linie sehe ich die Arbeit des Projektteams. Menschen unterschiedlicher Gaben bringen sich ein, verantwortlich, zusätzlich, ehrenamtlich. Ihre Berufsarbeit machen sie ja auch noch. Wir leben miteinander das Priestertum aller Gläubigen. Da gibt es keine Chefpriester sondern alle sind Priesterinnen und Priester.

Ich bin mir sicher, sie stecken auch etliches an Geld hinein, sonst würde das alles gar nicht klappen. Sie erwarten Raum um Gemeinde zu gestalten, aus dem Gottesdienst heraus, aus Liebe zur Predigt, zum Abendmahl und zur Taufe.

Genauso erlebe ich das Projektteam. Und insofern sind Sie ein gutes Stück Kirchengeschichte.

Ich gratuliere zum 10. Geburtstag.

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