In diesem Jahr gibt es die bisher meisten Tropennächte in Waghäusel-Kirrlach

In diesen Tagen kann man regional kaum durchlüften, denn nachts kühlt die Luft teilweise nicht unter die 20-Grad-Marke ab.

Am heutigen Montagmorgen war der wohl angenehmste Ort Deutschlands am Rande Berlins zu finden: Am Kaniswall wurden erfrischende 11,9°C gemessen. Ansonsten konnte die Luft kaum abkühlen, denn die viele Feuchtigkeit ließ die Strahlung nicht in den Weltraum entweichen und auch die dichten Wolken verhinderten ein Absinken auf schlaffreundliche Tiefstwerte. Tropisch war die vergangene Nacht in Frankfurt am Main-Westend mit 20,6°C und in Waghäusel-Kirrlach am Oberrhein zwischen Karlsruhe und Mannheim mit 20,3°C.

Eine Tropennacht ist laut Definition eine Nacht, in der die Luft nicht unter 20,0°C abkühlt. Im langjährigen Durchschnitt ist das vor allem entlang des Rheins der Fall, wie die gelben Flächen in unserer Abbildung auf der linken Seite zeigen. Zu sehen ist die durchschnittliche Anzahl von Tropennächten im Klimazeitraum 1961 – 1990. Während in den allermeisten Regionen Deutschlands das vieljährige Mittel für tropische Nächte nur im Zehntelbereich (0 bis 0,1) liegt, sind es am Oberrhein deutlich mehr. Spitzenreiter ist Heidelberg mit 3,3 Tropennächten. Leider wurde diese Station vom Deutschen Wetterdienst im September 2012 geschlossen, so dass es für 2016 keine Vergleichswerte gibt. Wie klimatisch begünstigt diese Station lag, zeigt der Vergleich mit dem benachbarten Mannheim: Dort liegt das Mittel für Tropennächte deutlich niedriger bei 0,7. Besonders anfällig für tropische Nächte ist aber auch das Ruhrgebiet mit seiner dichten städtischen Bebauung. Der Ballungsraum mit seinen vielen Gebäuden und relativ wenigen Grünflächen sorgt dafür, dass die Wärmestrahlung in den Nächten nicht ungehindert entweichen kann, sondern dass sie wiederholt zwischen den Gebäuden reflektiert wird und somit gefangen ist. Beispielhaft für eine solche Station ist die Stadt Duisburg, wo im Schnitt pro Jahr 2,1 Tropennächte auftreten. Häufiger mal Tropennächte erlebt man auch in Bad Bergzabern in der Südpfalz. Dort ist es aber nicht die Bebauung, die förderlich für laue Sommernächte ist, sondern die besondere geografische Lage. Am Osthang des Pfälzer Waldes gelegen, sorgen seichte Südwest- oder Westwinde in einigen Nächten dafür, dass sich die Luft an der Ostabdachung des Mittelgebirges erwärmen kann und so die Luft nicht unter 20°C abkühlen kann.

Und 2016? In diesem Jahr gibt es die bisher meisten Tropennächte in Waghäusel-Kirrlach (24. Juni: 20,9°C; 24. Juli: 20,0°C und 25. Juli: 20,3°C). Bad Bergzabern und Frankfurt am Main-Westend folgen mit jeweils zwei Nächten. Doch das ist wenig im Vergleich zu den Jahren mit sehr heißen Sommern wie 2003 oder 2015. Im Jahr 2003 wurden in Kehl bei Straßburg 21 Tropennächte registriert. Der Sommer 2015 schaffte an den Stationen Waghäusel-Kirrlach und Bad Bergzabern 13 Tropennächte und in Frankfurt am Main-Westend fiel in beiden Sommern an 12 Nächten die Minimumtemperatur nicht unter 20°C.
Viel Luft nach oben also noch und kein Wunder bisher … wird uns der Sommer 2016 doch wohl als sehr regenreicher Sommer in Erinnerung bleiben.

25. Juli 2016
Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion

2016_07_21_Hitzerekord

Auch bei den Tagestemperaturen sind wir Spitze. Am vergangenen Mittwoch, den 20. Juli 2016 waren wir zumindest landesweit mit 36,2 Grad Spitzenreiter (Quelle: SWR Landesschau am 21. Juli 2016)

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