Nach 40 Jahren: Ausbau des Schulstandorts an der Gymnasiumstraße

2017_12_14_Gemeinschaftsschule


In meinem Archiv habe ich einige Kopien aus dem Schuljahr 1977/78 gefunden. Sie sind nach meiner Meinung auch nach 40 Jahren durchaus lesenswert. Schließlich steht gerade die Erweiterung des Schulzentrums um die Gemeinschaftsschule an. Da ist es besonders interessant, welche Ideen schon vor vierzig Jahren beim ersten Bauabschnitt vorlagen: Ganztagesschule, Mensa, Abitur, um nur einige Stichworte zu nennen.

Ich gehe davon aus, dass künftig an diesem Standort wieder sechszügig unterrichtet wird. Ideale Voraussetzungen für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe zum Erwerb des Abiturs. Dieses Angebot fehlt bisher in der großen Kreisstadt Waghäusel.


JOHANN-PETER-HEBEL-REALSCHULE WAGHÄUSEL

BILDUNGSZENTRUM LUSSHARDT IN WAGHÄUSEL

1. Bauabschnitt: JOHANN-PETER-HEBEL-REALSCHULE

Architekten: Felix-Hennel u.Partner, Akademiestr. 75, 75oo Karlsruhe; Horst Hennel,  Gerhard Felix, Jörg Grimka

Der 1. Bauabschnitt, die Realschule wurde im August 1977 nach 1 3/4-jähriger Bauzeit fertiggestellt und die Schüler konnten zum Schuljahresbeginn 77/78 einziehen.

Die Realschule ist dreizügig, d.h. das Raumprogramm beinhaltet 18 Normalklassen und die erforderlichen Fachklassen für Chemie/Physik, Biologie, Hauswerkküche, Handarbeit sowie Werkräume, Zeichensaal, Musikraum und einen Schreibmaschinensaal.

Die Klassenräume sind im Obergeschoss untergebracht., auf einer Ebene nit der Verwaltungszone und dem Lehrerzimmer. Dia Fachklassen liegen im Erdgeschoss und haben Ausgang ins Freie.

Um mit Sicht auf den Endausbau zusammenhängende Bereiche zu ermöglichen wurden Umnutzungen eingeplant. So wird im Erdgeschoß der Realschule später der musisch-technische Bereich untergebracht. Die jetzt darin vorhandenen naturwissenschaftlichen Räume werden dann in den 2. Bauabschnitt ungelegt. Die dafür notwendigen Installationen sind bereits vorhanden.

Die Realschule mit Hausmeisterwohnung, Trafostation und Fahrradunterstellplätzen ist Teil einer wesentlich größeren Bauanlage, die im Endzustand noch ein Gymnasium, eine Hauptschule, eine große und eine kleinere Sporthalle, eine Mensa sowie eine zweite Hausmeisterwohnung umfassen wird. Zusammen mit den noch zu errichtenden Außenanlagen wie Pausenbereiche, Forum, Außensportplätzen, Parkplätzen und Bushaltestelle wird hier ein zentraler Bereich entstehen, der nicht nur eine Zusammenfassung von mehreren Schulen darstellt sondern als großes Bildungszentrum neben den Schülern auch die Bürger der Gemeinde einlädt, es für Fortbildungen und Veranstaltungen jeglicher Art zu benutzen.

Die drei Schularten Realschule, Gymnasium und Hauptschule werden in einem Gebäudekomplex zusammengefaßt sein, die Fachklassenbereiche und der Vorwaltungsbereich sind zusammengelegt. Die drei Schuleinheiten gruppieren sich um das Pädagogische Zentrum und eine Informationszone und bilden einen zusammenhängenden Bereich mit fließenden Übergängen innerhalb der drei Schularten.

Im Allgemeinen Unterrichtsbereich bilden jeweils 6 Klassen einen sogenannten Raum-Cluster. Im Mittelpunkt davon liegt eine durch Shed-Oberlichter belichtete Lehrer-Station mit teppichbezogenen Sitzbänken als zusätzliches Raumangebot für Arbeitsgruppen, Lehrer-Schüler Gespräche oder sonstige Teamarbeit. Außerdem sind darin Lehr- und Lernmittal untergebracht und die Waschzone für die Klassenräume. Direkt angegliedert sind WC-Räume und die Treppenanlage.

Hier und auch bei den Sitzzonen am Innenhof und in der Treppenhalle des Erdgeschosses wird in Ansätzen die Tendenz zu einer offeneren Schule sichtbar, die im Hinblick auf eine spätere Ganztagsschule an Räumlichkeiten den Schülern und Lehrern mehr bietet als nur Flure und in sich geschlossene Klassenräume.

Der heute im Schulbau aktuellen Forderung nach Variabilität und Veränderbarkeit von Raumgrößen ist Rechnung getragen durch die Möglichkeit des Versetzens von Raumwänden. Darüber hinaus sind die Kopfklassen am Ende der Flurzone jeweils durch Faltwände direkt zusammenschaltbar, ebenso ist je eine Klasse pro Cluster teilbar in zwei Gruppenräume.

Bei Erstellung der Schule ging es uns nicht nur um Erfüllung von Funktionen und Raumprogramm. Schule soll nicht Ort des Lernens allein, sondern auch Ort des Erlebens und des geistigen Auseinandersetzens sein. Die von uns gegebene bauliche Form und die Ausstattung mit sinnvollen, der Anforderung zugemessenen Materialien, so individuell wie möglich auf die einzelne Aufgabe abgestimmt, soll die so oft unterdrückte Individualität der Jugendlichen fördern uni ihnen dabei helfen ihre Persönlichkeit zu finden. Dies in einer Umgebung, die das kommunikative Bedürfnis des Schülers zwanglos unterstützt und ihm eine, der jeweiligen Aufgabe zugemessene individuelle Entfaltungsmöglichkeit schafft.

In diesem Sinne ist die Behandlung der einzelnen Bereiche zu verstehen? Vitrineneinbauten bei Schranken und Trennwänden, die schon erwähnten Sitzgruppen, Sitzbuchten am Innenhof, in dem die natürlich gewachsenen Bäume erhalten blieben, die Werkräume die sich zum Werkhof öffnen, die erdgeschossigen Klassen mit Ausgang ins Theatron, das ebenso für Freiunterricht wie zum Verweilen genutzt werden kann, die Bemalung der Festpunkte mit biologischen Elementen; als Weiterführung des Freiraumes in die Schule, deren Abstrahierung als Anstoß sich damit auseinandersetzen.

Im Außenbereich war es unser Bestreben die Eigenschaften der natürlichen Situation des Waldes zu erhalten, ja durch die Art der Planung und die Wahl der „Materialien vielleicht sogar verstärkt darauf aufmerksam zu machen. Waldrasen, Gräser, Erdhügel und Gehölze sowie Urgestein und braune Klinkerbeläge bilden einen langsamen Übergang von der gewachsenen Umgebung in das Schulgebäude mit ihrem Abschluß im Innenhof.

Auch die Farbgebung ist im Zusammenhang mit der Umgebung des Waldes zu sehen. Die Farben gelb, braun und rot des Schulgebäudes ergänzen sich im Laubwald im Wechsel der Jahreszeiten.

Insgesamt wurde versucht durch individuelle Arbeit des Architekten die monotono Serienfertigung des heutigen Industrieangebotes zu durchbrechen und den Benutzer eine, der Aufgabe angemessene Umgebung zu schaffen. Dies wird erreicht durch die sorgfältige Behandlung des Details und die Wahl der Materialien. Trotz Sonderkonstruktionen, wie die neu konzipierte Lampen für die Klassen, Sonderprofile für die Fassade, die bereits erwähnten Vitrineneinbauten bei Schränken und Trennwänden, zusätzliche Einbauten von Tafel- und Pin-Flächen in Klassen und Fluren, Massivholz als Unterbrechung der Kunststoffbeschichtungen bei den Schränken und anderes war es .möglich, kostengünstig zu planen.

Auch ein Beweis für die Flexibilität des Konzepts ist uns bereits gelungen. Obwohl nur für 18 Klassen geplant, werden im Moment unter Einbezug der Sonderräume 25 Klassen mit insgesamt 33o Schülern unterrichtet – das sind fast 5o % mehr Klassen als vorgesehen – ohne daß es zu Störungen im Schulbetrieb kommt.

Wir hoffen, daß sich Schüler und Lehrer in der geschaffenen Atmosphäre wohlfühlen.

Georg Schalla, Die malerische Gestaltung der Festpunkte

In der Malerei dar Johann-Peter-Hebel-Realschule ist auf den Unterrichtsbezug eingegangen worden, welche auf den Feinbau in der Natur hinweisen soll. Die großflächige ausgeführte Zusammenfassung biologischer Entwicklungsgeschichte sollte den Betrachter zur eigenen Deutung und Auslegung anregen.

Die Gestaltung der Festpunkte soll eine Brücke zur gewachsenen natürlichen Umgebung der Schule und dem verglasten Innenhof schlagen.

1. Festpunkt

Der Festpunkt gegenüber der rechten Eingangstüre beinhaltet organische Lebensgemeinschaften und Vielzeller. Stirnseitendarstellung dieses Festpunktes ist ein kernloser Einzeller nach einer mikroskopischen Vergrößerung. Über der Zelle links oben sieht man die stilisierte Darstellung eines Sprosses mit Sporenähre aus der vegetativen Vermehrung der Farne.

Das links neben der Zelle liegende pflanzlich wirkende Gebilde stellt eine menschliche Nervenzelle mit eingebettetem Auge und Pupille dar. Diese menschliche Nervenzelle soll auf die Verantwortung des Menschen für die Natur hinweisen. Daneben finden sich Chromosomenpaare, Zeichen der Vererbung im Tierreich und ein Verbindungsmotiv zur Stammesentwicklung der Menschenrassen. Auf der Wand ist gelb der Stammbaum des Menschen mit farbigen Zeitabschnitten sowie symbolisch verbundener Kugel der Erde am Fuß des Stammbaumes dargestellt. Längliche grüne Gebilde symbolisieren die Hauptgruppen des Pflanzen- und Tierreichs im Laufe der Erdgeschichte. Neben der linken Tür an der zum Innenhof liegenden Seite des Festpunktes wird mit einer runden Sinneszelle auf die verschiedenen Sinne aufmerksam gemacht.

Auf der rechten Seite des Festpunktes sieht man eine Blüte mit fortfliegenden Staubkörnern. Daneben werden die menschlichen Zellgewebestrukturen groß dargestellt.

Mit der Illustration von Zerfall und Werden im Vogel mit Ei neben der Zelle ist die Malerei an diesem Festpunkt abgeschlossen.

2. Festpunkt

Die Darstellung des zweiten Festpunktes gegenüber der Hausmeisterkabine entwickelt sich aus der ersten heraus.

Auf der Vorderseite dieses Festpunktes befindet sich der Querschnitt einer Blume, links daneben ein pflanzlich großer Zellenausschnitt mit Tochterkolonien.

Darstellung von Pflanzen und Früchten wechseln sich ab. Pflanzen im Wettbewerb um Licht passen sich unter gegebenen günstigen Bedingungen an.

Dabei hemmen die schneller wachsenden unter ihnen die anderen. Die langsamer wachsenden Pflanzen können nur gedeihen, wenn der Mensch hegend und pflegend eingreift.


2017_12_14_ZDF


 

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